New York Fashion Week, anno 1943: Siems Luckwaldt vs „Der Spiegel”, Teil 2

Kilian Kerner Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Herbst/Winter 2011/2012

Zitat: Kilian Kerner sucht nach richtigen Kerlen. Aber in Berlin ist das gerade schwierig. “Ich habe Mühe, männliche Models zu finden”, sagt der 31-jährige Modedesigner, der am Freitag seine Winterkollektion in einem Zelt am Bebelplatz vorstellen will. Statt bei der dortigen Fashion Week laufen viele der Herren lieber bei der Konkurrenzveranstaltung, den Männerschauen in Paris.

Geschmunzelt, Frau Kollegin, habe ich nur über die Formulierung „in einem Zelt am Bebelplatz“ (müsste es nicht „auf dem Bebelplatz” heißen?). Das klingt ein wenig nach Ferienlager – und nach Nicht–selbst-dort-gewesen-sein. Die Männermodels? Tja, die sind in der Tat in Paris unterwegs, da lassen der etabliertere Modewoche-Standort Paris und die sich überschneidenden Termine keine Wahl. Da aber die wenigsten Designer in Berlin (auch) Männermode zeigen, hält sich das Problem in engen Grenzen.

Zitat: Die wenigen wirklich bekannten heimischen Namen wie Jil Sander oder Strenesse präsentieren ihre Kollektionen lieber in Mailand. Andere kämpfen selbst schon ums Überleben wie Wunderkind. Wolfgang Joops kränkelnder Haute-Couture-Spross entlässt gerade einen Teil der ohnehin kleinen Belegschaft, streicht Kollektionen und kürzt Investitionen.

Stimmt, Jil Sander zeigt in Mailand, ist allerdings auch nicht mehr die Hamburger Firma aus den 80ern und 90er, sondern eine mehrfach weitergereichte Modemarke mit italienischem Firmensitz. Nur mal so by the way. Strenesse hat dagegen mit seiner Linie Strenesse Blue bereits mehrfach in Berlin einen Catwalk gebucht. Und das Nachtreten im Falle Wunderkind – ist das nicht ein klein wenig billig, Frau Kollegin? Generell gilt: Jede Marke darf doch frei wählen, welche Märkte ihre stärksten sind und in welchem Konkurrenten-Umfeld sie sich sieht und präsentieren möchte. Und wenn Gucci am Nordpol zeigen will, dann hat halt auch der Mailänder Kalender mal eine Schau weniger.

Zitat: Dabei wollten sie an der Spree einst den großen Fashion-Metropolen Paroli bieten, als sie sich 2007 von der US-Agentur IMG erstmals ihre “Berlin Fashion Week” organisieren ließen – wie die Firma das auch für New York macht. Der hiesige Ableger ist bisher allerdings eher Prenzlauer Berg geworden denn Paris, weniger Mailand als Moabit.

Hübsch-hämische Alliterationen sind das, Frau Kollegin. „Mailand und Moabit”, da muss man erst einmal drauf kommen. Fein, dass Sie das Stichwort New York erwähnen. Immer wieder gern zum Vergleich herangezogen, weil NYC die jüngste der Modemetropolen neben Paris, Mailand und London ist. Denkt man. Da ist immer von 1993 als Starttermin im Bryant Park die Rede, stimmt‘s? Und dort zeigen schließlich große Häuser wie Calvin Klein, Donna Karan, Hilfiger, Narciso Rodriguez … Die Frage ist aber hierbei eine andere. Wie kam es dazu? Da Ihre Zeit zum Googeln offensichtlich nicht ausreichte, will ich Sie gern in einem Crash-Kurs mitnehmen durch das Kapitel „Mode in Manhattan”. Da lernt man so einiges. Vor allem, wie man einen Modestandort erschafft und mit vereintem Wohlwollen unterstützt.

Wie man Mode aus der Heimat promotet

1943, also 50 Jahre vor dem ersten Defilee im Bryant Park (in Zelten, shocking, oder?), organisierte die Mode-Autorin Eleanor Lambert, angeheuert vom The Dress Institute, die erste „Press Week“, wie die NYFW damals noch hieß. Der Grund? Durch den Zweiten Weltkrieg konnte niemand zu den Schauen nach Paris reisen, die ohnehin nur sehr reduziert stattfanden. Außerdem wollte sie das Augenmerk der berichtenden Presse verstärkt auf amerikanische Designer lenken. Die wurden nämlich – kommt Ihnen das bekannt vor? – bis dato nur unter ferner liefen abgehandelt, während Pariser Designer als internationale Stars verehrt wurden. Auch in der US-„Vogue” mussten einheimische Modeschöpfer um Randspalten-Zeilchen ringen. Lamberts Plan ging auf und peux à peux vergrößerte sich der Aufmerksamkeit-Anteil für Design Created in the US of A. Zur Info: Die Modebranche von New York verfügt heute über circa 175 000 Arbeitsplätze. Gäste der New York Fashion Week: über 100 000. Einnahmen für die Stadt: geschätzte 235 Millionen Dollar.

Lesen Sie gleich weiter …

Foto(s): Mercedes-Benz Fashion Week Berlin/PR

Published by

siems.luckwaldt

Siems Luckwaldt ist seit über 15 Jahren als Journalist und Redakteur tätig. Seine Themen: Interviews, Mode, Lifestyle u. Modernes Leben. Weitere Angebote: Corporate Publishing, Social Media Coaching, Blogs

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.