Von Einkäufern und Promis: Siems Luckwaldt vs „Der Spiegel”, Teil 3

Jenny Elvers-Elbertzhagen Mercedes-Benz Fashion Week Berlin 2011/2012

Zitat: Wenn die Fashion Week am Dienstag startet, wird es in Berlin auch an bedeutenden Einkäufern fehlen, an wichtigen Modekritikern – und sogar an zugkräftigen Marken.
[…]
Das Grundproblem der Berliner Show: Sie hat die kritische Masse und Klasse nie erreicht, die dann erst den Glanz wirklich prominenter Kunden und mit ihnen das Geld großer Investoren anzieht.
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Wichtige Einkäufer großer Nobelkaufhäuser wurden dagegen nie gesichtet.

Sind Sie hellsichtig begabt, Frau Kollegin? „Wird es an …fehlen?“ Ist das Journalismus aus der Kristallkugel? Anyway, zur Frage, wann eine Modenschau, eine Fashion Week insgesamt, erfolgreich verlaufen ist für die teilnehmenden Designer: Da haben sich die Kollegen von Brand Eins ein wenig mehr Mühe bei der Recherche gemacht, und in einem sehr differenzierten Artikel sehr gut erfasst, dass Mode nicht nur stofflich, das Geschäft mit ihr vor allem feinstofflich ist! Da gehört die Inszenierung ebenso zum Produkt wie eine Design-Vision und die textile Verarbeitung.

Und in der Tat gibt es manche Show in Berlin, die noch nicht das erfüllte, was US-Designerin Nanette Lepore einmal in einem Interview zu den allgemeinen Kriterien für eine Fashion-Week-Teilnahme formuliert hat: „There are plenty of collections out there that do big business, but they’re not runway-worthy. Their looks are not fashion-forward and they are not directional. Buyers and the press have very little tolerance for seeing bland, mainstream collections on the runway. Those that show are the talented leaders in the industry and their influence trickles down to everyone else.“ Aber, sagt Lepore, hier hilft die natürliche Auslese: „If they don’t get any press and don’t sell well they don’t show up again next season.

Die Einkäufer: Die sind in Deutschland nicht ganz so leicht zu identifizieren, als anderswo. Noch ordern Saks Fifth Avenue, Barneys, Nordstrom oder Bergdorf Goodman nicht oder kaum beim deutschen Modenachwuchs. Doch wenn wir nicht einmal an unsere Fashion-Power glauben, wie soll es denn das Ausland tun? Self-fulfiling prophecy und so, gell! Ohnehin hält sich der Einzelhandel Rezessions-bedingt gerade mit dem Orderbuch zurück – auch bei großen, internationalen, etablierten Häusern übrigens. Umso wichtiger ist der grass roots support im Inland!

Blau gefärbter Pudel Mercedes-Benz Fashion Week Berlin 2011/2012

Zitat: Berlin lockt Promis an vom Schlage der Immer-noch-Lothar-Matthäus-Gattin Liliana. Ebenfalls stets in der ersten Reihe präsent: der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der sich dann gern mit Schönheiten wie Sarah Nuru, Gewinnerin von “Germany’s Next Topmodel”, schmückt.

Tilda Swinton? Hayden Christensen? Karolina Kurkova? Alle verpasst, Frau Kollegin?? Deutschland, deine Promis. Ganz ehrlich, das wäre jetzt eine eigene Abhandlung wert. Und ganz ehrlich, das Fehlen „wahrer Stars“ kann man wohl kaum der Fashion Week Berlin anlasten. Außerdem: Wenn Sie in Italien am Laufsteg sitzen, vor allem bei den Männerschauen, dann kennen auch nur die Italiener die vollbusigen Starlets, die als VIPs geladen sind. (Wie es sich vermutlich anfühlt, als prominentes Kamera-Freiwild in der ersten Reihe zu hocken, dass hat der Kollege Jeroen van Rooijen in der NZZ aufgeschrieben.)

Zitat: Immerhin: Im Jahr 2007 zählten die Veranstalter 11 Designer, dieses Jahr stehen über 40 Schauen auf dem Plan.

Ist das ein Lob? Ich fasse es nicht! Zusatz-Info: Die New York Fashion Week umfasste 1993, also 50 Jahre nach ihrem Start, 42 Modenschauen. No need to feel bad, right?

Zitat: Zum Begleitprogramm gehören auch die “Showroom Days” von Galeria Kaufhof, was in etwa so avantgardistisch klingt wie ein Tupperabend in Frankfurt an der Oder.

Keine Zeit gehabt zur Premium zu fahren? Oder zur Bread & Butter? Oder zum Green Showroom? Schade. Nur rausgepickt, was sich sarkastisch verarbeiten lässt? Unprofessionell.

Weiter zu Teil 4 …

Foto(s): Mercedes-Benz Fashion Week Berlin/PR

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siems.luckwaldt

Siems Luckwaldt ist seit über 15 Jahren als Journalist und Redakteur tätig. Seine Themen: Interviews, Mode, Lifestyle u. Modernes Leben. Weitere Angebote: Corporate Publishing, Social Media Coaching, Blogs

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