Smells Like Screen Spirit (für Capital)

Smells Like Screen Spirit (für Capital)

Immer wieder wurde es der Menschheit versprochen, aber funktioniert hat es nie: das Geruchsfernsehen. Wir haben die Entwicklung einfach abgekürzt – und zu den größten Fernsehserien die passenden Duftneuheiten herausgesucht

Fotos: Christoph Sagel
Styling: Thorsten Osterberger
Konzept & Produktion: Siems Luckwaldt

Smells Like Screen Spirit (für Capital)

Smells Like Screen Spirit (für Capital)

Smells Like Screen Spirit (für Capital)

Smells Like Screen Spirit (für Capital)

Interview: Margo Marrone, The Organic Pharmacy (für Flair)

Interview: Margo Marrone, The Organic Pharmacy (für Flair)

„Die Londonerin Margo Marrone gilt mit der Gründung ihrer Marke The Organic Pharmacy als Pionierin von ganzheitlicher Naturkosmetik auf Luxusniveau. Für flair traf Siems Luckwaldt die energiegeladene 50-Jährige anlässlich des Launch-Events ihres neuen Anti-Aging-Produktes „Rose Diamond Face Cream“ im ebenfalls neuen Hamburger In-Restaurant Hensslers Küche – direkt an der Elbe.“

Botox im Test (für how to spend it)

Botox im Test (für how to spend it)

Wieder werde ich es tun. Dabei rang ich diesmal tapfer wie Mickey Rourke in „The Wrestler“ mit meiner Eitelkeit. Doch die Eitelkeit war besser trainiert, als ich erwartet hatte, und legte mich mit links auf die Matte. Weshalb ich nun im Behandlungsstuhl von Doktor Timm Golücke über der Maximilianstraße in München sitze.“ […]

Interview: Humiecki & Graef

Avantgarde und Tradition vereint: Humiecki & Graef.

http://www.humieckiandgraef.com/

Uremotionen – das Konzept.

Alle Düfte von Humiecki & Graef sind menschlichen Grundgefühlen gewidmet, Uremotionen. Denn: Düfte sind viel mehr als bloße Parfums – Düfte sind wie Gefühle. Sie erzählen Geschichten, vermitteln Emotionen.

So zumindest sehen dies Sebastian Fischenich und Tobias Müksch, die beiden in Köln ansässigen Kommunikationsdesigner und kreativen Köpfe hinter Humiecki & Graef. Beide waren bereits für etliche internationale Mode- und Kosmetiklabels wie zum Beispiel Clarins, Lancaster, Lacroix, IFF und andere tätig, bevor sie dann in Mükschs Kölner Agentur Bel epok, in der Fischenich als Creative Director anheuerte, aufeinandertrafen und 2007 ihr Label Humiecki & Graef ins Leben riefen.

Als Gegenpol zu einer immer komplexer und komplizierter werdenden Welt stellt ihre Duftkollektion eine Reduktion dar: Jeder Duft, reduziert auf ein zugrundeliegendes Gefühl, eine menschliche Grundverfassung, eine Verfasstheit des Seins. Und: Insofern, durch diesen Fokus, auch: Eine Intensivierung.

Ahnen – die Hommage.

Fischenich und Müksch wollen mit ihren Düften das Leben reflektieren, Erinnerungen wecken – Erinnerungen an besondere Augenblicke, an Geschichten und Gefühle.

So ist es nur folgerichtig, daß ihr Konzept nicht nur durchdrungen ist von ihrer Idee, sondern auch von einem persönlichen Stück Geschichte der beiden: Das Label stellt eine Hommage an ihre Großmütter Helena Humiecka z Humicina und Katharina Graef dar, deren Namen es auch trägt.

Fischenich und Müksch eint nämlich eine tiefe innige Beziehung zu den bereits verstorbenen Damen. Nicht nur, dass diese deren Duftbiografien prägten – so erinnert sich beispielsweise Fischenich deutlich an die Gerüche im großmütterlichen Garten. Darüberhinaus waren die beiden für ihre Zeit sehr fortschrittlichen und selbständigen Frauen für ihre Enkel ein Quell der Liebe und Zuneigung, der Sicherheit und des Wissens, was Fischenich und Müksch nach eigenem Bekunden zu Selbstbewusstsein, einem positiven Glauben an die Zukunft sowie der Courage, das eigene Leben anzupacken verhalf. Insofern zollt die Duftkollektion diesen beiden bemerkenswerten Damen und deren ereignisreichen Leben Tribut.

Ästhetik und Inhalt – die Düfte.

Für die olfaktorische Umsetzung ihrer Idee(n) konnten Fischenich und Müksch niemand geringeres gewinnen als Christophe Laudamiel. Laudamiel gilt als eine der visionärsten Nasen in der Branche, ist ein Enfant Terrible im Bereich der zeitgenössischen Parfumeurskunst. Der Exzentriker hat ohnehin ein Herz für Ungewöhnliches, kreierte bereits die Düfte für Mugler zu der Verfilmung von Süskinds „Das Parfum“ – insofern war das Projekt Humiecki & Graef für ihn ebenfalls eine willkommene Herausforderung: Im Gegensatz zu normalen Vorgaben, die er im Rahmen seiner Arbeit als IFF-Parfumeur gewohnt sein dürfte, brieften ihn Fischenich und Müksch vor allem mündlich und mithilfe von Bildern und Collagen, um exakt die Stimmungen und Emotionen einzufangen, die die Düfte hernach präsentieren sollten.

Laudamiel ließ sich mit Herz, Hirn, Haut und Haaren auf das Projekt ein und entwarf für die Düfte etwas ganz Besonderes: Im Gegensatz zur klassischen Pyramidenstruktur mit dementsprechendem Duftverlauf – angefangen von der schnell verfliegenden Kopfnote über die Herznote bis zur den Duft tragenden Basisnote – sind die Düfte von einem architektonisch einem Stern nachempfundenen Duftaufbau geprägt. Dieser soll es den Einzelnoten ermöglichen, sich differenziert zu entwickeln um dem Duft einen harmonischen Verlauf zu verschaffen, in welchem einzelne Ingredienzen nicht in der Masse untergehen. Darüberhinaus greift dieser neuartige Aufbau wiederum das Motiv der Düfte, die Uremotionen, auf und unterstreicht mit seiner Beschaffenheit deren Komplexität.

Ein besonderes Augenmerk ist auch auf die Verpackung der Düfte zu richten: Nachdem Skarb, der erste Duft der Kollektion, ursprünglich noch in einer anderen Aufmachung auf den Markt kam, erlebte dieser sehr bald ein Relaunch und wurde dem Design der vier anderen Düfte angeglichen. Der Flakon dient, wie in der Broschüre zu den Düften zu lesen ist, als „reliquary“ für die Düfte und die olfaktorisch umgesetzten Emotionen, für die selbige stehen. Ein Reliquienschrein also sollen sie sein, die Flakons. Nicht nur Kunst sondern auch Medium, Medium für den Inhalt. Insofern präsentieren sie sich „reduced to the max“, reduziert auf das Wesentlich-Wenigste, um umso mehr Platz und Transparenz für den Inhalt zu schaffen. „Cubism in a bottle“, wie man sich selbst bescheinigt. Als einziges Unterscheidungsmerkmal zwischen den fünfen dienen die jeweils individuell angepassten Verschlusskappen sowie die Namensbänder. Letztere sind passend angelehnt an die cedulae, Stoffbänder mit dem Namen des entsprechenden Heiligen, die in Reliquienschreinen im Mittelalter drapiert wurden. Nochmals die Ambivalenz und die Differenz der Düfte aufgreifend und betonend, werden sowohl Verschlusskappen als auch die Bänder aus komplett unterschiedlichen Materialien hergestellt – erstere in verschiedenen Manufakturen rund um den Globus und letztere in Italien in den Fabriken, in denen diverse italienische Top-Labels wie zum Beispiel Prada und Louis Vuitton ihre Accessoires fertigen lassen.

Humiecki & Graef ist etwas ganz Besonderes: Hier vereinigen sich Inhalt und Form, Essenz und Existenz, Idee und Ausdruck in ganz bemerkenswerter Art und Weise: Das fertige Produkt ist in höchstem Maße durchdrungen von Intellektualität, Ästhetik, philosophischer Aussagekraft und Herzblut. Und gleichzeitig ist ein Spagat geschafft und geschaffen: Zwischen Avantgarde und traditioneller handwerklicher Parfumeurskunst.

Wir ziehen unseren Hut.

Humiecki_Graef1
Teil 1 und Teil 2 (ab Seite 4)

Interviewer: Ich würde gern anfangen, relativ unoriginell, mit euren Großmüttern, auf denen das Ganze basiert. Vielleicht nicht die Düfte, aber definitiv der Name. Vielleicht wenn jeder ein klein bisschen ausholt, was die Großmutter jeweils für euch bedeutet und vielleicht auch ein Erlebnis, was ihr mit ihr jeweils verbindet, ein besonderes.

S1: Sie war für mich immer so ein Symbol für eine ganz andere Welt oder eine längst vergangene Zeit. Sie ist selber auch in einem sehr konservativen Umfeld natürlich groß geworden und dann hat aber eigenartiger Weise sehr lange allein gelebt. Also ist dann auch ins Ausland gegangen, hat in Prag in der polnischen Botschaft gearbeitet und dann im polnischen Konsulat. Und war dort in so einer Funktion einer Art Hausdame, was ja dann doch sehr ungewöhnlich war für die Frauen in ihrer Generation, dass die eben nicht direkt heiraten, sondern erst mal eine Zeit lang wirklich sehr selbständig leben.

Und hat dann erst mit 31 als, nicht wegen der Liebe, ist sie nicht mit dem damaligen Konsul nach Washington gegangen, sondern zurück nach Warschau. Der Grund war eben Liebe zu ihrem ersten Mann. Und das war eigentlich so eine sehr schicksalhafte Entscheidung. Weil wäre sie mit nach Washington gegangen, dann hätte sie sich den Krieg erspart, also wäre wahrscheinlich nicht in diese Turbolenzen des 2. Weltkrieges gekommen. Und so hat sie einen Tag vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges ihren Mann geheiratet und ihre Zeit auch in Warschau verbracht, während des Krieges, was wirklich katastrophal war.

Und dadurch geprägt, war sie eben eine extrem starke und – also einerseits emotional starke Frau, aber dann auch wirklich taff in allem anderen. Also es konnte sie letztendlich nichts erschüttern. Und hatte etwas, was ich – meine Mutter meinte im Nachhinein mal: Ja, die Großmutter hat eigentlich nie den Glauben ans Leben verloren. Und das ist etwas, was mich, glaube ich, auch sehr geprägt hat. Diese Zuversicht die sie hatte, kann zum Teil auch damit begründet sein, dass sie extrem gläubig war, hatte ihren sehr naiv katholischen Zugang zum Glaube, den ich aber nie als repressiv empfunden habe, sondern eher als sehr mystisch und sehr vertrauensvoll.

Und so sind dann auch diese Erlebnisse mit ihr geprägt, dass das oft Begegnungen waren, dass ich – also ich verbinde ich sie natürlich ganz stark mit Polen, also mit der Zeit, wo sie noch in Polen gelebt hat. Wo ich sie jeden Sommer als Kind dort besucht habe. War das immer ein Eintauchen in eine ganz andere fremde Welt.

Interviewer: Okay, klingt sehr spannend.

S1: Also ich könnte da noch ewig drüber erzählen. Der Name ist ja der Mädchenname, also ihr Mädchenname. Und sie war wahnsinnig stolz auf diesen Namen, weil es eben eine alte polnische Familie ist, die auch historisch verflochten ist in diverse Richtungen. Und eigentlich ist dieser Familie alles abhanden gekommen, also die waren im Aufstand gegen den Zaren Mitte des 19. Jahrhunderts auf der falschen Seite und haben dadurch ihre Privilegien verloren.

Aber was sie nicht verloren haben, ist dieser Stolz und diese Zuversicht. Und das hat sie wahrscheinlich auch sehr geprägt. Und bis zu ihrem Tod im Jahr 2000, war das auch immer wieder Thema. Und natürlich nach dem 2. Weltkrieg durfte das nicht thematisiert werden, also die Herkunft, das ging halt im kommunistischen Polen nicht. Und dadurch ist das auch sehr stark verschüttet gegangen, aber es gab so eine Präsenz von dieser Idee. Und das hat mich dann auch als Jugendlicher, ja, als Kind habe ich das gar nicht so richtig mitbekommen, aber als Jugendlicher ist mir das bewusst geworden, wie wichtig ihr diese Herkunft war und dass sie da sehr viel drauf begründet hat.

Und vielleicht lag das auch daran, dass sie diesen Mädchennamen sehr lange getragen hat, also bis sie 31 war. Und so dachte ich, dass irgendwann, man müsste man etwas machen mit diesem Namen und damit ihr auch so eine Art Denkmal setzen.

Interviewer: Olfaktorisches Denkmal.

S1: Ja, in dem Fall olfaktorisches Denkmal. So kam das mit dem Namen Humiecki und Tobias musste natürlich dann auch den Mädchennamen seiner Großmutter dazu steuern.

Interviewer: Die möchte ich jetzt noch kurz kennenlernen.

S1: Also die Paralleles, also ich glaube, das hat der Sebastian schon gesagt, dass es da Parallelen gibt und als ich Sebastian kennengerlernt habe, da haben natürlich meine Großmutter – das ist ja auch die Mutter mütterlicherseits, war für mich auch immer, hat für mich immer einen sehr wichtigen Stellenwert gehabt, also das ist eigentlich immer so für mich, meine die mir vertrauteste Person gewesen. Also nicht, dass ich ein schlechtes Verhältnis mit meiner Mutter gehabt hätte, aber ich bin ja als Kind in Afrika aufgewachsen, in Kamera und Tansania. Und da habe ich die ersten 10 Jahre meines Lebens verbracht und wir sind in den Sommerferien immer nach Deutschland geschickt worden. Meine Eltern, das waren so richtige ’68er und die haben natürlich den Anspruch gehabt Afrika zu bereisen und das ist natürlich mit zwei kleinen Kindern, also ich habe noch eine ältere Schwester, die zweieinhalb Jahre älter ist als ich, ist es natürlich nicht so einfach.

Das heißt, wir wurden immer verfrachtet. Das lag auch daran, man musste ja früher, aufgrund der ganzen potentiellen Tropenkrankheiten, musste man immer für drei bis vier Monate im Sommer nach Deutschland zurück. Also gerade bei Kindern war das erforderlich früher, weil man noch gar nicht so weit im Punkt Medikamente oder Prophylaxe war. Und wir sind dann halt immer so ein bisschen nach Deutschland verfrachtet worden. Das erste Mal, glaube ich, als ich vier oder fünf war. Und das war für mich immer so, ich bin dann immer nach Deutschland gekommen in ein sehr kontrastreiches Leben natürlich, weil das a) natürlich absolut gegensätzlich zu dem war, was wir in Afrika hatten. Und dann immer aufgeteilt worden auf die beiden Familien meiner Eltern und die Familie meines Vaters, das war halt eben ein sehr ‚geldreicher‘ oder sehr neureicher Haushalt.

Und die Familie von meiner Mutter, das waren sehr einfache Leute, wobei meine Oma eine sehr gebildete Person war. Und da ist auch die große Parallele. Meine Oma hat auch erst mit 39 geheiratet, die war nämlich auch Hausdame, das war ja in Westdeutschland, also die kommt aus dem Westerwald, und das war in der Zeit relativ üblich, dass große Familien, die da nicht die Möglichkeit hatten, ihren Töchtern, gerade den Mädchen, ein Studium oder eine weiterführende Ausbildung zu gewährleisten, haben die die in die Hauswirtschaft geschickt. Also hauptsächlich nach Holland. Viele sind nach Belgien gegangen, aber Holland war so einer der Hauptzielpunkte für diese Geschichten. So ist die mit 13 im Grunde genommen, da war die ja noch Kind im Prinzip oder Teenager, und ist nach Holland gegangen und hatte anfangs in Amsterdam für eine Juweliersfamilie gearbeitet und ist dann in eine Juweliersfamilie später nach Rotterdam.

Und natürlich mit dem Ausbruch des Kriegs, haben sich diese Leute im Grunde entsprechend aus Holland weg gemacht und sind nach Amerika. Und sie ist dann darüber wieder zurück zu ihrer Familie in den Westerwald. Was auch daran lag, dass mein Urgroßvater, ihr Vater damals, gesundheitlich schon sehr schlecht dran war. Wir haben im Grunde genommen nicht so einen schlimmen Krieg erlebt, weil die vom Land kamen und da natürlich im Grunde genommen die Welt noch funktionierte, weil es da noch irgendeine Art von Selbstversorgung gab. Die hat im Prinzip darüber im Grunde genommen, halt eben aus diesem Ort, meinen eigentlichen Opa, also ihren ersten Mann kennengelernt mit 39 und hat sich dann eben, obwohl sie den schon seit Kind an kannte, und hat sich dann eben Hals über Kopf in ihn verliebt, hat ihn geheiratet und dann mit 40 erst meine Mutter bekommen.

Und für mich war das immer so, meine Großmutter war für mich immer jemand, na ja, die war ja schon alt, als ich klein war, also im Vergleich zu meiner anderen Oma, die damals noch Mitte 50 war. Hatte die natürlich schon ein stattliches Alter. Für mich war immer der große Vorteil, dass wenn ich nach Deutschland kam, wir waren dem Deutschen nicht so besonders mächtig. Und meine Großmutter war jemand, die hat zwar sehr viel Liebe ausgestrahlt, aber die hat nicht viel geredet. Und ich habe mich in diesem Kontext immer wahnsinnig wohl gefühlt, weil ich kein Deutsch sprechen musste. Das hat mich nicht gefordert, sondern ich konnte da einfach so sein wie ich bin. Es war für mich eigentlich im Grunde genommen das Pendant – also es war eigentlich das Pendant zu dem wie ich in Afrika gelebt habe.

Und deswegen hat das halt eben schon ganz früh angefangen, dass ich ein sehr enges Verhältnis mit der hatte. Dann kommt dazu, wir haben hier in 2003 angefangen erstmals über dieses Konzept nachzudenken und 2004 dann verstärkt. Und 2004 ist dann meine Großmutter gestorben und als der Sebastian mit der Idee kam und sagte, „Warum geben wir dem Ganzen nicht die Mädchennamen unserer Großmütter?“ Dann fand ich das natürlich auch extrem passend, weil das natürlich eine Phase war, die für mich etwas schwierig war. Ich sage immer, „ich habe das halt nie…“, klar die war einfach alt, die war 98, ich meine das ist ja auch ein stattliches Alter, wo man einem dann zugesteht irgendwann mal sich zu entfernen aus der Welt. Aber für mich war das halt schon wie ein Schock, weil ich im Grunde genommen meine Großmutter immer schon alt erlebt habe und für mich war sie natürlich immer da. Also für mich hat das einen Stellenwert gehabt, den ich insofern damit ein Stück weit – na ja, das war dann wie so eine Art potentielles Memorial und insofern passte das sehr gut zusammen.

TEIL 2

Interviewer: … dennoch in die Düfte eingeflossen ist. Ist es vielleicht ein bestimmtes Weltbild, ein Spirit oder einfach gar nichts?

S1: Ich glaube, das ist relativ einfach. Also da kannst du mir widersprechen – also das muss man dazu sagen, Sebastian und ich, wir streiten uns häufig.

Interviewer: Aber konstruktiv, hoffe ich.

S1: Ja. Das dauert auch. Wenn wir uns streiten, dann dauert das 5 Minuten, dann ist auch schon wieder gut. Das hat den Vorteil, wir können uns nicht böse sein. Ich glaube, das ist relativ einfach, weil die waren im Grunde genommen, klar, dass eine andere Generation war – man muss vielleicht dazu sagen, wir haben den Namen natürlich im Grunde genommen gefunden an dem Punkt, das ist ja auch ein, ich will nicht sagen ein Zufall, aber manchmal passen die Dinge dann eben zusammen. Wir hatten ja eigentlich die Konzeption oder die Idee für dieses Label ist ja ein bisschen anders entstanden. Wir haben ja nicht gesagt: „Wir setzen uns jetzt hin und machen eine Marke.“ Da kann vielleicht Sebastian gleich was dazu sagen, wie wir da überhaupt dazu gekommen sind. Weil das ist so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind. Also im Sinne von – das kam über eine ganz andere Prozessstufe.

Ich glaube der Grund oder die Analogie, die da drin ist, ist dass wir auf der einen Seite mit dem was wir machen, schon gucken – wir versuchen ja ein Stück weit schon sehr traditionell zu sein und versuchen das aber in irgendeiner Weise in eine Modernität zu übertragen, mit dem Label, bzw. auch im Sinne der Parfums, die wir realisieren / machen. Und das passt, finde ich, schon sehr gut. Sebastians Großmutter kenne ich nicht, der hat meine noch kennenlernen können. Weil ich habe Sebastian ja 2001 schon kennengelernt und insofern hat er im Grunde genommen, noch drei Jahre, zumindest neuralgisch die Möglichkeit gehabt halt eben sie kennenzulernen.
D
ie Großmutter von Sebastian war ja im Jahr vorher schon verstorben. Aber ich glaube, das was die beiden ausgemacht hat, war dass sie unglaublich offen waren; also zumindest meine Großmutter. Natürlich war das eine Generation, sicherlich hat die auch in diesen Grundfesten dieser Generation gelebt, aber die war eine extrem moderne Frau. Und ich glaube, diese Kombination ist halt das Interessante, dass jemand auf der einen Seite zwar schon sehr traditionalistisch ist, aber im Grunde genommen trotzdem eine wahnsinnige Weitsicht und auch eine wahnsinnige Offenheit gegenüber Neuem hat. Und da haben wir halt gefunden, dass das eigentlich in der Analogie sehr gut zu dem passt, was wir da realisieren wollten und haben deswegen uns für die Namen entschieden.

S2: Und ich glaube schon, ich möchte es ja eigentlich auch immer viel stärker als so ein Symbol sehen. Dass die Großmutter als Symbol einfach Emotionalität symbolisiert und auch ein emotionaleres oder ein anders gelagertes emotionales Verhältnis, als man es zu den Eltern hat. Und das hat man einfach mit den Großeltern nicht, weil die Großeltern viel mehr vergeben. Bei den Großeltern geht es nicht so sehr um Erziehung, wie man zu sein hat, sondern da geht es auch oft sehr um diesen Moment des Zusammenseins. Also ich glaube, dass Großeltern gar nicht so sehr in die Zukunft blicken, weil die auch viel mehr wissen, dass ihre Zeit begrenzt ist und Eltern natürlich auch sehr viel immer im Hinblick auf die Zukunft machen oder reagieren.

Interviewer: Es ist auch generell, glaube ich, fällt mir gerade dabei so auf, Großeltern scheinen auch gar nicht mehr so richtig in Mode zu sein. Wenn ich das mal so salopp sagen kann. Also ältere Menschen sind heute Best Ager, man sieht sie dann auch nicht mehr wirklich mit Enkelkindern, sondern eher beim Golf. Das fällt mir gerade selber so auf. Gut, ich habe nur eine meiner Omas nur kennenlernen dürfen, habe dann zu ihr auch noch ein recht enges Verhältnis gehabt und so weiter, aber wenn ich mal so umhöre im Bekanntenkreis: Es spricht niemand mehr, „Oh, am Wochenende waren wir bei meiner Großmutter.“ oder so. Also ich weiß nicht, ob das dann wirklich so ist, ob sie sie nie besuchen, keine Ahnung. Aber das ist alles irgendwie so weit weg und es geht nur noch ums Hier und Jetzt und Morgen. Und wie du es eben schon beschrieben hast, die bringen natürlich auch schon eine gewisse Weisheit mit, und wenn es Lebensweisheit ist und nicht jetzt Intelligenz-Weisheit. Das kann ja auch mal schnell nerven. Deswegen, total zeitgemäß eigentlich.

S1: Das ist der Unterschied. Sebastian hat mal gesagt, dass der Unterschied natürlich im Grunde genommen, was den Rapport oder diese Verbindung zu Großeltern oder Großmüttern oder Großeltern im Allgemeinen im Vergleich zu den eigenen Eltern anbelangt, ist natürlich, dass – und das teile ich – ist natürlich im Grunde genommen, dass bei den Großeltern nie diese erzieherische Moment drin ist. Sondern da ist einfach im Grunde genommen halt eben ein sein und sein lassen. Aber natürlich trotzdem eine extreme Hingabe und Aufopferung drin. Und ich glaube, das ist ja auch das Schöne daran. Sicherlich hast du recht, dass das heute so ist, dass natürlich im Grunde genommen, na ja, wie sagt man im Französischen? [? 00:04:59-9], also im Sinne von, dass man im Grunde genommen – ich glaube das liegt einfach daran, dass es diesen großfamiliären Kontext einfach nicht mehr gibt.

Das sehe ich noch bei meinen Eltern, dass die immer noch darin leben und dass das eigentlich immer weniger wird, weil natürlich im Grunde genommen diese Selbststeuerung und diese Selbstbestimmung einfach mittlerweile so im Vordergrund steht, und das ist natürlich früher in Familienkontexten einfach viel weniger so gewesen, als bei meiner Großmutter, die kam aus einer Familie mit 10 Kindern. Da sind zwei relativ früh gestorben, aber diese Familie war eigentlich im Grunde genommen immer so ein selbsterhaltenes Konstrukt, wo dann eben zum Beispiel auch – und das hat man auch nicht als schlimm empfunden – zum Beispiel in diesem Kontext zwei Schwestern waren, die nicht verheiratet waren und die haben sich dann im Grunde genommen halt eben immer am neuralgischen Punkt. Die haben auch keinen festen Wohnsitz gehabt, sondern die waren dann jünger und sind dann später im Grunde genommen immer zu denen gefahren, wo im Grunde genommen Hilfe notwendig war.

Und so waren die mal eine Weile dort im Haushalt und mal eine Weile dort im Haushalt. Aber das ist als etwas ganz Selbstverständliches empfunden worden. Da wurde auch gar nicht drüber diskutiert. Das war so selbstverständlich. Und ich glaube, das ist so der große Unterschied. Ich habe das bei meiner anderen Familie auch gehabt, da war jemand in der Familie, der war ein bisschen geistig behindert. Das ist zwar absurd, dass man nie kommuniziert hat, dass das eigentlich ein Bruder ist von meinem Opa, aber das war halt der Jupp, der machte immer den Garten. Und als der starb kam dann irgendwann raus, beziehungsweise als mein Opa zwei Jahre später starb, kam dann raus, dass es eigentlich der Bruder war. Aber man hat die Leute immer mit durchgezogen. Er war ein fester Bestandteil. 00:06:40-2

Jetzt trotzdem nochmal eine Sache zu den Parfums, weil ich glaube das liegt so ein bisschen natürlich auch am Anfang dieses – weil die Entstehung der Markenidee, ist ja sehr verknüpft mit dem ersten Duft, den wir gemacht haben. Und das ist Skarb. Und ich glaube, bei mir war schon das wichtige, und da habe ich vielleicht die Marke auch am Anfang stark geprägt, auch mit dem Vorschlag diese Namen zu verwenden, liegt ein bisschen auch an meiner Biografie, dass ich halb Pole bin, meine Mutter ist Polin, mein Vater ist Deutscher und ich bin in Deutschland geboren. Aber zweisprachig groß geworden, weil das immer sehr wichtig war, diese kulturellen Bezug zu haben. Und ich fand das selber sehr reizvoll, auch diesen Unterschied zu erfahren, zwischen einer Kultur eines Nachbarlandes, die viel emotionaler geprägt ist als in Deutschland.

Das war auch so, wie ich das immer erlebt habe, auch in der Familie, dass das durchaus rational, obwohl die Familie meines Vaters aus dem Rheinland kommt und durchaus auch sehr lebendig und irrational sein kann. Aber in Polen war das dann noch eine andere Qualität. Und daher ist auch der erste Duft, Skarb, das ist ein polnischer Name und beschreibt diese Situation eines slawischen Mannes. Also mein Bild, was vielleicht auch durch Klischees geprägt ist, dass eben der slawische Mann weitaus emotionaler ist und das Weinen dort in der Kultur eh eine größere, so eine Heulkultur, eine größere Rolle spielt. Und so entstand dieser erste Duft. Und da glaube ich schon, dass das sehr stark geprägt ist von dieser Idee, die sich dann im Markennamen oder in diesen Personen, die für uns ja so wohl [? 00:08:24-9] geworden sind, widerspiegeln.

S2: Vielleicht nochmal zu dem Punkt, wie wir dazu gekommen sind. Im Initial war das ja so, dass wir im Prinzip – das war 2004 oder 2003. Aber wann hast du mit dem Konzept angefangen?

S1: Das war eigentlich erst 2004.

S2: Okay. Das ganze kam ja so, wir haben im Prinzip dadurch, dass wir ja – Sebastian ja schon immer, seit Beendigung des Studiums oder auch im Studium sich halt eben schon eine extreme Faszination für dieses Thema Parfum hatte. Und auch im Nachgang eben, in Paris in einer Agentur gearbeitet hat, die speziell im Prinzip Konzepte für Parfümerieprodukte entwickelt hat. War das so, dass wir gesagt haben, dass Sebastian irgendwann gesagt hat: „Okay, kann man nicht mal anders an so ein Konzept rangehen?“ Und das war so ein bisschen auch die ursprüngliche Idee der Beweisführung der Dienstleistung, die wir im Grunde genommen intern als Agentur, die wir ja haben nebenher noch, zu erbringen. Zu sagen, „man muss nicht immer so platt an Parfums rangehen, weil man das halt für gewöhnlich im kommerziellen Kontext macht. Auch wenn es Luxus ist, zu sagen, weil es ist ja immer [? 00:09:37-3].“ Die auch noch sexy ist um 12 ist und die auch noch sexy um 20 Uhr ist. Dieses Drei Wetter Taft Prinzip.

Und von dem sich ein bisschen zu lösen und zu sagen, man muss aber deswegen nicht plötzlich im Grunde genommen komplett sich wegbewegen von dem Konzept klassischer oder traditioneller Parfümerie. Sondern wie kann man eigentlich im Grunde genommen dieses Scope größer machen, um zu sehen, was kann man da noch draus entwickeln? Oder was für Ideen kann man daraus entwickeln? Und da kam eigentlich im Grunde genommen diese Idee her zu sagen: Also wir arbeiten eigentlich für diesen ersten Duft Skarb und das Konzept für Skarb war da, bevor es eigentlich im Grunde genommen diese Marke gab. Und so ist natürlich auch diese Prägung einfach entstanden, dass Sebastian gesagt hat: „Okay, warum nimmt man – klar, ist Duft Emotion und klar, geht das um Emotionen und Gefühle etc., aber warum öffnet man sich nicht und sucht mal nach emotionalen Zuständen, die fernab von diesem sexy, happy, keine Ahnung was sind. Sondern geht einfach ein bisschen weiter und ist auch ein bisschen mehr daring.

Und so kam dieses Konzept Skarb, als so ein Inbegriff von Melancholie oder von so einer slawischen Melancholie auch. Und dann haben wir das entwickelt. Aber im Ursprung eigentlich immer nur wie so eine Art Beweisführung. Das wurde dann zusammen mit Christoph gemacht, weil Christoph und Sebastian zu der Zeit sehr viel an der Uni in Berlin gemacht haben, an der UDK, also in der Lehre. Und so hat sich das dann entwickelt. Wir hatten dann irgendwann dieses Parfum und dann war das eigentlich entwickelt. Und dann hat Christoph gesagt: „Was macht ihr denn jetzt damit?“ „Wieso? Jetzt haben wir das Konzept gemacht, jetzt ist gut.“ Und da hat Christoph gesagt, „Nein, das könnt ihr jetzt auch abfüllen, also jetzt könnt ihr da auch ein Parfum draus machen.“

Und so hat sich das eigentlich im Grunde genommen entwickelt. Wir haben dann gesagt: „Okay, das ist doch super, jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter und entwickeln noch eine Flasche und machen und tun.“ Haben das dann getan und haben das eigentlich für uns im Grunde genommen wie so eine Art Case Study gesehen. Und als die Case Study dann da war, habe ich gesagt: „Du, die hat jetzt relativ viel Geld gekostet. Wollen wir das jetzt vielleicht nicht auch vertreiben?“ Und so ist eigentlich im Grunde genommen, eins zum anderen gekommen. Also das hat sich dann so sukzessive entwickelt. Und als wir dann in 2005 entschieden haben oder in 2005 zu 2006 rüber, und dann eben im Hinblick auf die Entwicklung oder auf die eigentliche Lancierung mit den fünf ersten Düften in 2008, gesagt haben, „okay, wir machen das jetzt“, war das ja dann auch notwendig, dass wir das Ganze nochmal leicht überarbeiten, weil wir am Anfang halt nie an eine Marke gedacht haben oder ein Parfum-Label, sondern das war einfach aus der reinen Inbrunst getrieben, mal ein Konzept zu realisieren, was einfach im Grunde genommen out of the box ist.

Interviewer: Du hast gesagt, das hat auch ziemlich viel Geld gekostet. Wie viel kostet denn so etwas, initial-zündungsmäßig?

S1: [lachen] Wir lernen jeden Tag noch dazu.

Interviewer: Das habe ich nicht gefragt. Das nehme ich an, ja. Nein, aber was ist das für ein Initial Investment gewesen bei euch? In was für einer Höhe darf man sich das vorstellen?

S1: Wir müssen natürlich immer sehen, wir haben ja nie Arbeitszeit gerechnet. Das ist ja immer der Vorteil bei uns gewesen, das muss man natürlich auch ganz offen sagen. Wir hatten am Anfang immer wahnsinnige Panik, dass das in irgendeiner Weise in eine Verquickung kommt, weil wir nie wollten, dass das in irgendeiner Weise in den Kontext mit unserem Designbüro zusammen gebracht wird. Mittlerweile haben wir festgestellt, da hatten wir immer ein bisschen Angst vor, wir haben aber mittlerweile festgestellt, das ist Blödsinn. Abgesehen davon kannst du das natürlich in Zeiten von Social Media auch nicht wirklich trennen. Also wer es sehen will, der sieht es auch.

Der Punkt ist, klar, am Anfang hatten wir das große Glück, dass wir relativ viel gebettelt haben, weil wir haben ja so homöopathische Mengen nur verarbeitet, dass ja zum Teil die Zulieferer uns gesagt haben, „das können wir euch gar nicht verkaufen, das sind ja nicht mal Mustermengen.“ Und ich weiß, bestimmte Sachen haben wir sogar halbwegs geschenkt bekommen. Insofern ist das natürlich im Grunde genommen sehr schwer zu rechnen. Heute, jetzt wo wir natürlich im Grunde genommen da ein bisschen professioneller rangehen oder zumindest versuchen, ist es natürlich so, dass – also man hat natürlich schon kalkulatorisch Anschubkosten, aber die können natürlich sehr unterschiedlich sein. Weil das eine ist im Prinzip der Material- und der Musterungsaufwand, und natürlich der Entwicklungsaufwand. Aber dadurch, dass wir uns natürlich ein bisschen die Komplikation auferlegt haben, immer mit einer neuen Deckelkomponente zu kommen, immer mit einer anderen [? 00:14:11-9] Komponente zu kommen, was ja so ein bisschen aus dem Konzept heraus kommt, dass wir gesagt haben: Wir sind ja eigentlich in dem Sinne keine [?] Line, die das häufig in der – was jetzt keine Kritik ist, aber es ist ja häufig in der Nischenparfümerie so, dass du sehr stark nach Familien baust.

Und bei uns war das ja so, dass wir gesagt haben, „okay, wir willen eigentlich im Grunde genommen konzeptionell, dass jeder Duft komplett anders ist.“ Haben gesagt, „wir müssen irgendwas finden, was das auch rüberbringt.“ Jetzt arbeitest du natürlich, wenn du in diese kleinen Mengen, wie wir jetzt gestartet bist, musst du ja mit Standards arbeiten. Und so kam dann die Idee zu sagen, „okay, wir verändern wenigstens immer [? Band- 00:14:46-6] und Deckelkomponente. Aber es bleibt immer die formale Flasche. Das heißt, der formale Kontext bleibt gleich, aber wir ändern die Materialien. Und da liegt natürlich ein bisschen auch der Teufel drin zum Teil, weil natürlich im Grunde genommen im Schub das zum Teil sehr schwierig ist, weil die Sachen dann – weißt du, wenn du jetzt eine Deckel hast und wir den 2000 mal entwickelt hätten, dann hätten wir im Grunde genommen einfach immer damit weiter gemacht und dann wäre natürlich jedes neue Parfum relativ einfach. Weil wir gar nicht so einen hohen Aufwand in der Prozesssteuerung haben. Der ist natürlich bei uns immens hoch. Deswegen sage ich noch: „Wir lernen stetig dazu.“ Dass es manchmal so ist, dass man denkt, „oh, das würgt einem jetzt“, weil man natürlich einfach immer diese Komplikation potentiell hat, dass halt in dieser Entwicklungsphase, die kann man nicht so abschätzen, wie man das machen könnte, wenn man halt sagen würde, „Okay, man hat einen Standarddeckel definiert und mit dem arbeitet man immer fort.“

Interviewer: Also eine Zahl kriege nicht aus euch raus.

S1: Ja, das ist so schwierig.

S2: Es ist eine hohe Zahl.

S1: Das ist immer schwierig. Ich bin immer vorsichtig mit den Zahlen.

Interviewer: Wenigsten die Stellen, die würden mich schon interessieren.

S1: Sechsstellig.

Interviewer: Okay. Und ist das ein mittlerer sechsstelliger Betrag oder ein höherer?

S1: Wenn man das Ganze nimmt….

S2: Mittlerer.

S1: Dann ist es ein mittlerer. Wobei das natürlich heute so ist, man muss ja immer sehen, und das ist halt auch das, was der neue Punkt ist, was alle kleinen Parfumlabels vereint. Dadurch dass du ja an einer Industrie partizipierst, die eigentlich im Grunde genommen immer von 100.000 von Stück ausgeht, hast du natürlich im Prinzip das Problem, dass dieser Schritt von der Anfangsphase in den etwas professionelleren oder etwas größeren Lauf, was die Volumina anbelangt, bedeutet, dass du im Grunde genommen auch immer extrem hoch in der Vorkasse bist. Das heißt, was Einkauf von Basismaterialien anbelangt. Das heißt, deine Ausgaben sind bis weilen unglaublich hoch. Du hast die Ware zwar, aber die musst du ja dann erst mal weiter produzieren und rausverkaufen. Und das ist wirklich manchmal sehr tricky. Deswegen, ich mache das ja von meiner Seite, das ist ja mein Part in dem Business – ich lerne da jeden Tag noch dazu.

Interviewer: Nun muss ich sagen, ich habe das erste Mal von euch gehört, bzw. an einem eurer Parfums geschnüffelt. Und zwar das ist bestimmt vier – fünf Jahre her. Und das war das Askew. Nun muss ich sagen, damals war ich noch bei „how to spend it“ in Amt und Würden, und klar, dann kommen jeden Tag irgendwie fünf Düfte. Und irgendwann wurden auch die Nischenparfüms einfach mehr, indem was wir zugeschickt bekamen. Und deswegen war ich dann irgendwann auch relativ skeptisch. Ich habe es dann erst gelesen und habe gedacht, „na ja, dieses auf den Kopf stellen, was einen klassischen Männerduft ausmacht und so weiter, und den Duftstern und so.“ Da habe ich gedacht, „okay, auf dem Papier hört sich das interessant an, aber man weiß, dass es oft – wie sagt man – nur im Labor nachstellbar, aber man erfährt es einfach nicht mehr selber, wenn man den Deckel hoch macht.“

Und ich war wirklich ehrlich total geplättet, dass ich das, was in dem Pressetext stand, ich konnte das sofort nachvollziehen in meiner Nase. Ich habe das sofort verstanden und ich habe auch sofort die Einzelteile gleichberechtigt wahrgenommen, was ja so ein bisschen in diesem Duftsternprinzip und nicht in der Pyramide begründet ist. Das fand ich enorm! Das hat mich wirklich geplättet. War euch das klar, dass das so gut gelingt? Weil es gibt Parfümhersteller, die sagen, „wir haben die Pyramide mal auf den Kopf gestellt“, und so weiter und sofort. Aber ich habe wirklich nie wieder so einen genauen Transfer gehabt, von der Zeile der Pressemappe wirklich in das, was ich mir aufgesprüht habe. Seid ihr da durch mehrere Phasen gegangen, wo es eher, was weiß ich, wo es eine Duft-Birne war, statt ein Stern und so weiter? Weil das ist ein neues Konzept. Wie hat der Christoph das so gut hingekriegt?

S1: Nein, das war wirklich Christophs Vorschlag bei dem aller ersten. Das lag so ein bisschen daran, weil vom Briefing her läuft das ja letztendlich immer gleich ab. Also ich briefe ihn mit Bildern, weniger mit Sprache und versuche eben Bilder zu finden, die das ausdrücken, wie ich mir das vorstelle. Weil das ist ja das entscheidende.

Interviewer: Eine Art Moodboard macht ihr quasi?

S1: Ja, ich mag den Begriff Moodboard nicht, weil Moodboard hat so ein bisschen was Wahrloses.

S2: Man kann es gleich sagen, es sind immer drei Bildtafeln.

S1: Das sind relativ klare Bilder, die zum Teil zusammen collagiert sind, aber die müssen das auch ziemlich punktgenau auf den Kopf treffen, weil sonst funktioniert das nicht. Wir haben damals am Anfang beim ersten, sehr viel darüber gesprochen, wie das eben ist, wie ein Mann weint. Und das habe ich ihm versucht zu erklären, wie ich mir das vorstelle. Da gab es eine Grafik auch dazu und dann diese Bilder. Und dann kam er mit der Idee, da hat er dann dran gearbeitet, das im Stern anzuordnen. Weil eben diese unterschiedlichen Punkte, also dieses Weinen und daher wäre dann auch diese ganze emotionale Thematik abgeleitet, dass die ja sehr gleichberechtigt sind. In den Emotionen gibt es zwar natürlich so einen Höhepunkt, aber letztendlich zieht sich die Emotion immer durch den Gefühlszustand durch.

S2: Also das ist ja auch nicht so, das ist auch entscheidend, dass wir gesagt haben, eine Emotion setzt sich ja aus vielen Einzelsensationen zusammen. Also Emotion kann ja sein, „hat eine trockene Zunge und hat einen spitzigen Rücken“ oder so. Das ist ja nicht immer nur eins. Und das war einfach etwas, wo wir – also es ist ja immer so, dass die Konzepte so sind: Sebastian setzt sich hin und überlegt sich ein Konzept und dann entwickelt er das. Und irgendwann fangen wir dann zu einem späteren Zeitpunkt an darüber zu sprechen, das funktioniert auch ganz gut. Weil ich glaube, dann ist das am Anfang eine starke, direkte Kommunikation zwischen Sebastian und Christoph. Wir haben festgestellt, wenn da zu viele Leute drinnen sind, dann funktioniert das nicht gut. Also ich verlasse mich dann immer darauf, das ist für mich auch der schöne Part. Weil ich kann dann irgendwie kommentieren und kann mich gleichzeitig auch überraschen lassen, von dem was da kommt. Und insofern war das aber am Anfang immer ein relativ starkes Thema, dass wir gesagt haben, irgendwie muss man das hinkriegen, dass da halt eben einfach unterschiedliche Momente drin sind. Und die müssen, unter Umständen sind die an bestimmten Punkten stärker oder schwächer wahrzunehmen. Aber es war uns irgendwie wichtig, und das war dann halt eben Christophs Idee, dass die in irgendeiner Weise schon von Anfang an, unmittelbar, in welcher Gewichtung auch immer, aber dennoch erfahrbar werden.

Interviewer: Wir haben vorhin schon drüber gesprochen, nun seid ihr in dem unterwegs, was man die Nische nennt. Ich kann das schon mittlerweile fast nicht mehr hören, genauso wie den Begriff Lifestyle. Aber in Ermangelung eines besseren Begriffes…

S1: Darf ich was zu dem Thema Nische sagen? Ich meine, das Thema Nische, ich komme ja wirklich ganz stark aus dem Fashion Background und ich habe mal, das gibt es ja auch in der Mode, dass man sagt, eine „Niche Brand“. Eine gute Bekannte von mir aus Paris hat mal gesagt: „I hate people asking me if I am in the [? 00:22:49-9] that I am a niche brand. Because what does niche actually mean? Obviously only that you are able to sell maximum to five stores in the world.“ Dieser Begriff ist wirklich ein schwieriger. Vor allen Dingen, weil natürlich im Grunde genommen mittlerweile auch Dinge in dieser besagten Nische drin sind, die eigentlich dort auch nicht wirklich was suchen haben.

Interviewer: Die kommerziell aufgesetzt sind. Tochter von einem Multi.

S1: Genau. Was aber natürlich auch ein ganz normaler Prozess ist.

Interviewer: Klar, Professionalisierung.

S1: Genau, weil man jetzt sieht, dass natürlich in diesem Bereich, trotzdem ein extremes marktwirtschaftliches Potential drin ist. Und das sieht man ja eben auch den Lancierungen der kommerziellen Luxusparfümerie an, die sich natürlich auch in den letzten Jahren anschickt einfach aufgrund von dem Marketing und Einkaufsvorteilen dieser Nischenkonzeption zu sagen, ich komme nicht mit einem One Slot Proposal [undeutlich 00:23:40-9], sondern ich komme gleich mit einer ganzen Familie. Da geht es im Endeffekt nur darum, irgendwie shared presence [?] zu haben.

Interviewer: Das ist auch ein bisschen das Gießkannenprinzip, oder?

S1: Ja natürlich, klar. Und dann natürlich auch im Prinzip die Möglichkeit zu haben, mit einem Konzept mehrere different potentials oder different expectations abzudecken, ganz genau.

Interviewer: Nun war ich neulich bei – deswegen wollte ich euch dazu befragen – war ich neulich bei Ludwig Beck, hier bei Hautnah, und habe mir mal wieder angeguckt, was es alles Neues gibt. Und die sind ja was Niche Brands angeht ziemlich gut sortiert. Und ich habe mich dann aber die ganze Zeit gefragt, du sagst jetzt gerade, da steckt ein ökonomisches Potential definitiv drin. Ich habe mich aber dennoch hinterher gefragt: das kann nicht für alle aufgehen. Weil ich weiß genauso gut wie ihr, ihr wisst es wahrscheinlich besser, aber ich habe eine relativ gute Ahnung davon, wie so ungefähr 90% der Parfümkonsumenten funktionieren. Und die suchen jetzt nicht nach Konzepten in die man sich einlesen muss, so wie eine Oper, wird mit Übersetzung besser.

Also es ist eigentlich doch eher so: Wir sind alle völlig überfordert mit allem, jedenfalls latent. Und möchte ich dann, mich noch wirklich damit beschäftigen müssen, mental, was mir der Parfümeur damit sagen will oder greife ich zu Douglas Top 10 zu Nummer 2 oder so, und sage mir: „Sprühe ich auf, riecht irgendwie frisch, ecke ich nicht mit an. Passt.“ Und ich frage mich so ein klein bisschen, wie viel Luft steckt da wirklich noch drin oder haben wir mittlerweile eine Nischenblase. Mich beschleicht so langsam, so ein ganz klein bisschen dieses Gefühl. Also ich finde ja, ihr seid noch total verständlich und zugänglich unterwegs. Also nicht falsch verstehen. Aber es gibt Konzepte, wo ich denke, ist das jetzt nicht nur einfach so ein bisschen „la pour la“ und man wollte ein Parfum machen, aber man hatte eben nicht den Konsumenten im Kopf, sondern nur den eigenen Rausch. Ich weiß nicht, wie ihr das seht?

S1: Ich glaube ja ganz fest daran, dass wenn ein Konzept schlüssig ist, dass das Produkt auch schlüssig ist und dass man gar nicht mehr viel hinterher erklären muss. Und so sehe ich das auch ein bisschen bei uns. Es gibt die Möglichkeit dort tiefer einzutauchen und was dahinter zu erfahren. Aber die Düfte funktionieren auch so. Und da glaube ich fest an diese Stärke des Konzepts. Wenn das Konzept stark ist, dann wird auch das Produkt einem in irgendeiner Form emotional berühren. Und ich habe oft den Test mit meinen Studenten gemacht, ich bin ja noch Gast-Professor an der UDK in Berlin, und wir haben mal, das wollte ich einfach wissen, funktioniert das auch vice versa, also wenn ich denen die Düfte gebe und die kennen die Geschichten nicht dazu, was assoziieren die damit? Und das interessante war, dass die Assoziationen von diesen Studentengruppen sehr ähnlich waren auch dem wie ich den Parfümeur gebrieft habe. Es ist nicht darauf hinausgelaufen, dass sie dasselbe Wording hatten.

S2: Man muss dann eigentlich noch dazu sagen, Sebastian hatte es eben auch mit neuen Düften gemacht, die dann noch in der Entwicklung waren, so dass die eigentlich im Prinzip – also du hättest nicht ins Internet gehen können und irgendeiner Weise dir da Informationen ziehen könne, von dem was da schon geschrieben ist. Sondern die waren einfach noch gar nicht kommuniziert.

S1: Und das fand ich dann doch erstaunlich, dass das hinhaut. Und daher glaube ich, dass es in dieser – oder Artistic Perfumery wird es ja dann auch genannt, was ich irgendwie auch so ein bisschen eigenartig finde, weil das hört sich für mich mehr nach Zirkus an. Aber ansonsten die Möglichkeit diesen Nischenbegriff zu umgehen, dass dort Konzepte, die stark sind, dass die funktionieren, aber ein starkes Konzept heißt ja am Tagesende nicht, dass es ein kompliziertes Konzept ist oder ein verwürgtes Konzept ist. Sondern das Konzept muss ja eine Schlüssigkeit haben. Und Schlüssigkeit hat auch immer sehr viel mit Einfachheit zu tun. Und genau was du gesagt hast, es gibt eben sehr viele, die dann Konzepte machen und dann wird da noch ein bisschen gezwirbelt. Aber ich will das jetzt nicht – ja, hört sich vielleicht arrogant an, aber das ist wie der Unterschied zwischen einem Gestalter oder einem Künstler, der etwas kreiert, was berührt, oder jemand der hingeht und sagt: „Ich mache jetzt mal Gestaltung.“ 00:28:41-6

S2: Ich glaube, das große Thema ist ja, dass wir heute im Grunde genommen eigentlich, und das hat ja nicht nur mit der Parfümerie oder mit der Nische oder mit Parfümprodukten zu tun. Ich glaube, das große Problem ist, dass wir heute natürlich mittlerweile so wahnsinnig Marketing präsent sind, dass das ja auch so ein bisschen der Markt ist, der das aufoktroyiert, im Prinzip Konsumenten zu sagen: „Du kaufst nicht nur ein Produkt, sondern du kaufst auch unmittelbar eine Story.“ Ich finde es richtig, dass im Grunde genommen hinter jedem Produkt eine funktionierende Story sein muss. Aber ich sage auch, dass du diese Story nicht – also das Produkt ist nur dann gut, wenn du die Story nicht brauchst und trotzdem mit dem Produkt was anfangen kannst. Das eine schließt das andere nicht aus.

Problematisch ist dann im Grunde zweiteres, nämlich die Story, dass die eigentlich vor das Produkt gestellt wird. Und das ist ja das, was wir im Arbeiten extrem erleben, das ist häufig auch unser Frust im kommerziellen Arbeiten, dass wir eigentlich immer anders rangehen und im Grunde genommen gar nicht anders können, als eigentlich immer erst mal dieses Produkt ins Zentrum zu stellen. Und dann macht man was mit dem Produkt und dann kommt man eigentlich im Grunde genommen in der Conclusio auch auf inhaltliche Aspekte, die unter Umständen interessant sind. Wie sagt man, „The content“ oder „to convey the content.“ Aber das kriegst du ja nur hin, über den Produktbaustein. Und ich glaube, das ist heutzutage so komplett anders, weil man natürlich einfach viel stärker über Vermarktungskriterien nachdenkt als über eine faktische Produktvaluta. Klar, das ist der Markt, wie er heute ist. Ich bin immer so, dass ich denke, „na hoffentlich wird sich das mal mit der Zeit auch wieder ein bisschen verändern.“ Weil mit einer massiven Vermarktung oder einem Überschuss in dieser Denkweise, was natürlich dann auch dieses Markt Potential anbelangt, wird sich das unter Umständen irgendwann auch wieder gegenkorrigieren.

Gut, das ist lustig, dass du sagst, es ist eigentlich ein einfach verständliches Konzept. Weil wir natürlich häufig das Problem haben, wenn wir damit in die Parfümerie gehen, wir – und ich glaube, da ist es häufig auch die Irritation, das glaube ich, in der Nischen-Parfümerie schon auch unter vielen Einkäufern und Konsumenten so eine Erwartungshaltung gibt, dass wenn ich mich in die Nische bewege, ich dann halt eben auch diese gesamte Geschichte, diese persönliche Note und persönliche Sichtweise haben muss.

Interviewer: Und es ist alles verkopft. Das ist auch so ein Klischee. 00:31:12-6

S2: Absolut. Die haben wir natürlich auch, aber wir haben sie natürlich nicht im Sinne von „Ich tauche in die Welt von einem Parfümeur ein und dann werde ich im Grunde genommen da ganz viele Proposals finden, die ein Stück weit alle aus einer Familie kommen.“ Also was die olfaktorische Komponente anbelangt. Sondern bei uns natürlich immer, diesen Punkt, den du überwinden musst, der muss natürlich der sein zu sagen: „Okay, das ist eine Marke.“ Aber das kann eigentlich nicht sein, dass du im Grunde genommen jeden dieser unterschiedlichen Düfte, im Grunde genommen gleich [? 00:31:40-4] präferierst. Das ist ganz klar. Also wer das eine mag, der wird zwangsläufig nicht das andere mögen, weil sie halt so unterschiedlich sind. Das ist für mich immer so gefühlt, wenn ich so rumgucke, da sehe ich auch viele Dinge, die ich gut finde im Wettbewerb.

Und da ist der enorme Unterschied, wo ich sage, da unterscheiden wir uns einfach komplett und das macht uns manchmal halt eben auch das Leben schwer. Ich finde es toll, wenn jemand sagt, das ist doch total einfach. Das ist meistens das, wo es dann bei uns im Grunde genommen ein bisschen hakelt und strauchelt, weil man natürlich erwartet: „Okay, ich finde da einen gut, und dann muss ich die ganze Palette gut finden.“ Dann sagen die Leute: „Ja, das braucht so viel Erklärung.“ Dann sage ich: „Nein, gebt den Leuten das mit, dass sie es erleben und dann entscheiden sie selber. Und das ganze Drumherum, das brauchen die nicht.“ Wenn die das wissen wollen, dann werden sich Konsument heute diese Informationen holen. Aber es ist nicht unbedingt zwangsläufig notwendig, dass die Leute erst mal in diese Information eintauchen, um ihnen im Grunde genommen – sagen wir, um eine Rechtfertigung für die Relevanz zu generieren.

Interviewer: Jetzt habe ich noch drei Fragen.

Die Zusammenarbeit mit Christope Laudamiel, habt ihr da eine Anekdote, die das gut beschreibt, wie er ist und wie ihr zusammenarbeitet? Gibt es da so eine Situation? Entweder eine, die immer wieder kommt, fast schon ein Ritual ist, oder einfach aus den Anfängen etwas, wo ihr nach der Situation wusstet, „ah, so tickt der.“

S1: Das ist so schwer zu sagen, weil wir das erst mal kommunizieren in drei Sprachen.

S2: Das stimmt!

S1: Wir wirklich kreuz und quer reden. Christoph spricht ja sehr gut Deutsch und sehr gut Englisch, und ist natürlich ursprünglich Franzose. Und der mixt auch die Sprachen sehr konsequent, was ich ganz toll finde, weil ich das auch latent mache. Ich mache das nicht so bewusst, ich bewundere das extrem, dass der so ganz gezielt macht. Ich mache das immer, weil ich das Gefühl habe, dass man in bestimmten Sprachen, einfach aufgrund der kulturellen –

S2: Was anderes besser ausdrücken kann vielleicht.

S1: Ja, bestimmte Dinge, die kann man einfach in bestimmten Sprachen. Die Wörter dafür gibt es, aber das ist halt kulturell nicht verankert, dass man so gut ausdrücken kann. Und mir passiert das eher zufällig, dass ich irgendwo sitze und plötzlich aus dem Deutschen ins Englische oder ins Französische kippe oder umgekehrt, weil ich denke, dass sich das in einem anderen Sprachkontext, in einem anderen Sprachraum, einfach besser zum Ausdruck bringen kann. Das ist das, was für mich wirklich im Grunde genommen immer etwas sehr angenehmes ist, wenn wir mit Christoph zusammenarbeiten, weil mir das eben sehr nahe ist. Das ist die persönliche Note, die ich daran einfach gut finde.

S2: Ich glaube was ganz interessant ist – die ersten fünf haben wir nur mit Christoph, also mit ihm alleine gemacht, und jetzt die letzten drei und jetzt auch Nummer neun, hatte ich gestern noch mit ihm ein Re-Brief dazu, machen die beiden ja zu zweit im Team. Und das finde ich ganz verrückt, die beiden sind sich natürlich auch nicht gleich, so wie Tobias und ich, ja auch in vielen Dingen dann doch unterschiedlich denken. Und dass es immer diese stetige Diskussion gibt, und die sehr fruchtbar ist.

S1: Aber wir komischerweise immer dann doch zu einer Conclusio kommen. Also es ist so, dass zwischendrin – ich kann mich entsinnen, wir haben mal in Berlin zusammengesessen und haben im Grunde genommen zu viert in der Runde am Tisch, irgendwie beim Frühstück, und haben diskutiert. Und das ist bei uns immer so vor und zurück. Ich glaube, jeder sieht andere Schwerpunkte. Sebastian sieht einfach immer – ich nehme das ja einfach nur so wahr, wie ich es wahrnehme. Also ich bin da, glaube ich, der Banalste, weil ich den Duft nicht kreieren kann und auch das Konzept initial nicht mache. Ich bin eigentlich immer so die Konsumentenseite.

Der Sebastian ist natürlich viel stärker aus diesem konzeptionellen Bereich und die anderen beiden natürlich in dieser Entwicklungsebene. Und das macht es schon ganz interessant, weil jeder eigentlich im Grunde genommen mit einer sehr persönlichen Sichtweise da rangeht. Aber was toll ist, ist dass man mit denen auch sehr logisch und sagen wir mal sehr klar und wenig persönlich gefärbt darüber sprechen kann. Ich glaube, das ist auch eine wahnsinnige Qualität von Christoph, wo ich den wahnsinnig bewundere, der erkennt was an, als eine Herausforderung, als ein Konzept und versucht nicht im Grunde genommen irgendwie so im ersten Schlag unbedingt immer zwingend seinen persönlichen Diskurs da reinzubringen.

Interviewer: Also er ist nicht der maulende Künstler, der dann irgendwann in der Ecke sitzt und sagt: „Keiner versteht mich.“ Sondern er ist ein Pragmatiker.

S1: Genau! Du schickst das und dann sagt er: „Da, das muss man überlegen!“ Also der geht da direkt drauf ein. Und das ist eine wahnsinnige Qualität.

S2: Das ist vielleicht ganz interessant dort zu sagen, wenn wir an das Briefing, also an [? 00:36:38-7] denken, da habe ich sehr viel mit ihm drüber diskutiert, dass ja dieses Thema Vertrauen und es gibt ja so eine Grundgeschichte, die man auch in den Bildern wiederfindet, ein Verhältnis zwischen einem jüngeren Mann zu einem älteren Mann. Und die Bilder sind durchaus, also viel, ja körperlich, als er das am Anfang – eben wir ja gesagt, „nein, wir können jetzt noch wieder so ein Parfum machen, wo es um Sex geht.“ Und wir haben sehr viel darüber gesprochen und er hat, das war ganz interessant, weil für mich sind ja die Bilder eher eine Idee, wie das riechen soll, dass es eben ein sehr körperlicher Duft wird.

Und das ist ja in dem Moment nicht das, wie ich unbedingt dieses Vertrauensverhältnis beschreibe, was durchaus viel vielschichtiger sein kann. Und er sah dann darin ganz stark diese Sache eines Meister-Schüler-Verhältnisses und zwischen Männern und Frauen, und Frauen und Frauen, und Männer und Männern finden kann. Und das fand ich eine interessante Komponente. Da hat er sehr lange immer wieder gesagt, „ja, aber irgendwie, ich denke das ist eher Schüler-Meister.“ Und hat sehr viel über diese Bilder auch nachgedacht und hat trotzdem diese Bilder, oder beide haben wir sie dann zu einer Basis dieses Duftes gemacht, so wie das auch ursprünglich der Stil war.

S1: Also wir machen auch häufig, dann entwickelt auch jeder für sich was. Das ist schon so mit den beiden Christophs jetzt, dass es eben schon so sein kann, dass wir die ersten Trials bekommen und da sind dann vielleicht zwei dabei, die hat halt eben Christoph Hornet gemacht und andere. Die anderen beiden hat Christope Laudamiel gemacht. Und das ist für uns natürlich auch immer lustig. Sebastian und ich, wir sitzen dann da und versuchen dann irgendwie, weil wir es ja nicht wissen, was von wem ist, und versuchen dann eben in irgendeiner Weise mit unserem Wissen über diese Personen ein Stück weit zu filtern, wer hat jetzt welchen gemacht.

S1: Wir finden das schon ziemlich schnell.

S2: Ja, dafür arbeiten wir schon zu lange zusammen, glaube ich. Beide haben natürlich schon eine Handschrift, das ist klar. Aber es geht nicht darum, diese Handschrift in den Vordergrund zu bringen, sondern es geht darum, die Handschrift ist im Grunde genommen ein Stück weit ein Transmitter oder ein Vehikel. Aber es geht erst mal darum, im Prinzip die eigentliche Grundidee zu transportieren. Und ich mag das gerne, wenn man in der Zusammenarbeit mit anderen die Möglichkeit hat, sich davon zu lösen, was sein persönlicher Belang ist. Sondern zu sagen: „Okay, lass uns doch mal wirklich relativ frei darüber nachdenken“, ohne dass man jetzt im Grunde genommen auf einer persönlichen, geschmäcklerischen Ebene erst mal versucht einen Anlass zu finden.

Interviewer: Nun ist Blask der neuste Duft, der erhältlich ist von euch. Typische Journalisten Frage: Welche Bilder liegen denn bei dem [? 00:39:37-0] Christoph jetzt gerade, damit sie sich inspirieren?

S1: Zu welchem Thema? Zum nächsten Thema?

Interviewer: Genau.

S1: Hmm.

Interviewer: Irgendwas Kryptisches von mir aus, aber irgendwas dazu.

S1: Es geht um Offenheit. Das ist das Gefühl, wie es sich anfühlt oder wie der emotionale Zustand von Offenheit ist. Und der wird ganz klar an einer Geschichte festgemacht. Die verrate ich jetzt nicht. Aber es geht um Offenheit. Eine bestimmte Form der Offenheit auch. Also nicht im Sinne von „offen“, ich bin jetzt offen für jede Meinung, sondern es geht eigentlich um einen emotionalen Zustand, wo man in eine Situation kommt, wo plötzlich die Karten wie neu gemischt sind. Und es gibt Entscheidungen. Und jede Entscheidung wird das Leben total verändern.

Interviewer: Wunderbar! Klingt sehr mysteriös und sehr interessant. Und dann habt ihr vorhin schon gesagt, klar, so ein Produkt zu launchen, das ist ein Lernprozess. Wenn ihr ein bis drei gute Tipps geben solltet an vielleicht Neu-Unternehmer über alle Branchen hinweg, vielleicht auch speziell auf die Artistic Perfumery. Was wäre das?

S1: Ich glaube, das Entscheidende ist, dass man seinem Konzept sehr treu bleibt, seiner Ausgangsidee. Und diese Ausgangsidee für sich emotional erfahrbar macht, also selber einen Zugang dazu findet und das heißt, auch noch mal von außen das zu betrachten und dahingehend zu untersuchen, ist das wirklich etwas, was mich berührt? Und ich würde immer sagen, das ist eine Treue dazu. Wenn du diese Treue zu dem eigenen Konzept behältst, dann verlierst du auch nicht die Hoffnung, wenn es gerade in einem Moment nicht so gut läuft oder wenn es schwierig ist. Sondern dann hast du immer so einen, ja…

Interviewer: Etwas zum Festhalten.

S1: Ja, hat man hat etwas zum Festhalten. Und das ist eigentlich dazu zu stehen, nur dann wird das auch ein starkes Konzept.

Interviewer: Muss ich kurz nachfragen. Weil es gibt auch diesen Punkt, also treu sein ist auch ein doppelschneidiges Schwert. Ich kann mich halt auch in etwas reinsteigern, von dem ich total überzeugt bin. Sprich, wie viel Kritik darf ich denn, das ist ja ein sensibler Bereich, wenn ich etwas selber schaffe, ob das jetzt ein Rasenmäher ist oder ein Parfüm, letztlich steckt da irgendwas von mir drin, beim Parfum wahrscheinlich noch ein bisschen mehr, gerade emotional. Wie viel Kritik zulassen, also von anderen, ist gut? Und wie viel, ich nenne es mal im positiven Sinn „Trotz“ ist okay und gesund? Weil ich finde das immer sehr schwierig.

S1: Das stimmt natürlich schon.

Interviewer: Wie ist da eure Erfahrung oder wie ist da eure Balance so?

S1: Ich bin jemand, der eher – trotzig nicht, aber ich bin jemand, der immer sehr extrem darauf achtet, dass dieses Konzept eingehalten wird. Und da ist meine Erfahrung eigentlich immer eine positive, dass das am Tagesende immer sich ausgezahlt hat. Also auch in den Diskussionen mit unserem Vertrieb. Kommen wir nochmal zurück zu dem, was wir am Anfang hatten, mit den Großmüttern. Da hat der Vertrieb gesagt, „Nein, also die Geschichte mit den Großmüttern, das ist zu kompliziert, keiner will wie Großmütter riechen.“ Und dann habe ich gesagt, „gut, dann gibt es die Marke nicht.“ Weder werden sie umbenennen,… „Ja, dann sollten wir die Geschichte mit den Großmüttern nicht erzählen.“ Habe ich gesagt: „Doch! Aber es sind die Namen der Großmütter. Ich werde nicht irgendwie so tun, als wenn die Namen vom Himmel gefallen sind.“

Und was sich erwiesen hat, ist gerade dass diese Großmuttergeschichte, der Marke erst mal so einen emotionalen Zugang gibt, den man auch braucht. Ich glaube, gerade Kritik ist wichtig, aber die stellt man sich ja auch, in dem Moment, wenn man fähig ist, die Sache die man macht, von außen zu betrachten. Also ich habe das Gefühl, die Sachen, die wir von Personen, die wir ernst nehmen, die die Dinge kritisieren daran, die sehen wir selber auch. Die sind uns auch selber aufgefallen und an denen arbeiten wir vielleicht mal stärker, mal weniger. Aber ich glaube, das ist ein gesundes, also mit gesundem Menschenverstand… also wenn man sich natürlich in so eine Sache verbohrt, dann ist es eh schwierig.

Interviewer: Und aus geschäftlicher Sicht nochmal vielleicht, irgendetwas wovor ihr andere, die sich damit tragen sich selbständig zu machen, vielleicht in der Parfümerie, vielleicht mit etwas anderem, etwas wo ihr denkt, „Oh ja, den Fehler haben wir gemacht, den vermeidet bitte.“

S2: Also ich glaube, das Wichtige ist halt, klar, das was Sebastian sagt, das würde ich teilen. Dass es wichtig ist, dass man ein Stück weit sich auf seine Intuition und auf sein Bauchgefühl verlässt. Klar, aber aus so einer geschäftlichen Hinsicht ist, dass man eben wissen muss, dass das Zeit braucht, dass man sich bloß nicht selbst überholen darf. Ich glaube, das ist so ein bisschen das Ding. Ich merke, dass wir manchmal anfangen, und das ist ja so, du gehst einmal in so einen Markt rein und dann ist es natürlich im Grunde genommen keine einseitige Richtung mehr, sondern dann findet natürlich automatisch ein Diskurs statt. Und der Diskurs kann sowohl aus Lob, als auch aus Kritik stehen. Weil er besteht grundsätzlich immer aus beidem. Ich finde, das wäre ja schlimm, wenn es keine Kritik gäbe, weil dann würde ich mir viel eher die Frage stellen, ob da was nicht in Ordnung ist?

Interviewer: Weil einem dann das Produkt offensichtlich kalt lässt.

S2: Richtig, ganz genau. Also ich glaube das ist das Ding, die Dinge die eigentlich funktionieren oder die im Kern gut sind, sind die [? 00:46:10-3] Believe in being different. Also ich glaube, dass man sagt: „Kann ich gut mit oder kann ich gar nicht mit?“ Aber wenigstens hat das irgendwie ein Profil. Ich glaube, was wichtig ist, ist dass man sich aus einem unternehmerischen Gesichtspunkt heraus, in dem Moment, wo dieser Diskurs mit dem „ich stelle was in den Markt ein und der Markt reagiert drauf“, man aufpassen muss, dass man nicht anfängt plötzlich, aufgrund dieser Reaktion in irgendeiner Form aktionistisch zu werden.

Interviewer: Umzuschwenken oder so.

S2: Ja, genau.

Interviewer: Machen wir die Flasche doch lieber rund.

S2: Genau, du kriegst natürlich irgendwie…

S1: Jeder hat eine Meinung dazu.

S2: Du gehst vier Tage auf eine Messe und jeder hat eine Meinung dazu. Und du denkst irgendwie: „Ja, Leute…“, also ich kriege dann immer irgendwann einen Föhn, und denke, „Leute, das ist alles schön und gut, aber ich möchte ja nicht unbedingt… ich finde nichts schlimmer, als wenn man irgendwo ist und eigentlich in Erwartungshaltung möchte, dass jemand einem in irgendeiner Form Credit gibt, dafür was man gemacht hat, nur weil man es gemacht hat.“ Also das kann auch nicht Sinn und Zweck sein.
Ich glaube aber auch, dass es heute einfach im Grunde genommen auch zu einem, das ist auch so ein Stück weit so ein Kulturgut geworden, so ein gesellschaftliches, dass Dinge im Grunde genommen schneller und einfacher kommentiert sind als sie gemacht sind. Und ich glaube, man darf sich von dem Fakt „schnell kommentieren“ heutzutage, im Grunde genommen nicht irritieren lassen, weil natürlich Produktläufe und Produktvorläufe einfach viel analoger und viel länger sind, und da darf man dann nicht anfangen, aufgrund dessen aktionistisch zu werden.

Klar, das ist eine persönliche Arbeit, die man macht und jede persönliche Arbeit, also das ist egal, ob das das ist oder irgendwas anderes, ist natürlich immer ein Stück weit etwas, auf das man unter Umständen bei Kritik auch persönlich reagiert. Ganz klar. Also du gehst nicht in einen Blog und liest du einen Bog und sagt er, „jetzt kommen die wieder mit ihren schwülstigen Geschichten“, aber dann schreibt jemand am Ende, „aber wenigstens ist der Duft gut.“ Dann denkst du, „ja gut, dann haben wir doch genau das worum es geht.“ Weil die schwülstigen Geschichten können wir auch sparen, Letzteres ist eigentlich das worauf es ankommt.“ Aber das ist natürlich immer Gratwanderung – Wo fängst du an und wo hörst du auf? Ich merke das dann immer an dem Punkt, die Leute kommen ja auf dich zu und sagen: „Ja, jetzt erzähl mal und jetzt mach mal und jetzt tu mal.“

Und du merkst an dem Punkt plötzlich, bewegst du dich eigentlich wieder in dem Tonus einer doch existierenden Maschinerie, die auch bestimmte Abläufe und bestimmte Erwartungshaltungen hat, oder Erwartungshaltungen an Abläufe oder an Prozesse. Und diese Balance hinzukriegen, ich glaube, das ist halt eben mit Abstand das aller schwierigste. Zu sagen, „Wo bin ich? Und wo bleibe ich das, was ich bin?“ Und an welchem Punkt kann ich im Grunde genommen, halt eben mich öffnen den Dingen gegenüber, die vielleicht auch, und ich glaube, das ist schon – da hast du recht – es ist nicht was zu machen und zu sagen, „Ich glaube aber daran, ich glaube aber daran.“ Es ist immer eine interaktive Geschichte. Sprich, es ist schon wichtig auch darauf zu hören, was andere sage, aber die Balance in der Richtungsweisung zu finden, zu sagen: „Auch wenn ich mir das anhöre und das ernst nehme“, ich glaube Sebastian und ich, wir nehmen Dinge schon sehr ernst, wenn man uns die sagt.

Aber man muss dann auch den Diskurs mit sich selber finden, halt eben zu dem Entscheid zurückzukommen, dass man dann am Ende doch mit Konsequenz das tut, was man entschieden hat zu tun.

Interviewer: Wunderbar! Das ist ein tolles Schlusswort. Ich danke euch riesig für die viele Zeit! Ich finde, das ist ein Konzept, das gib es auch Gott sei Dank her, dass man nicht nur ein bisschen Smalltalk hält und das war’s. Und ja, und mache mich daran, das alles abzutippen.

S1: Danke dir auch!

S1: Vielen Dank!

Interviewer: Viel Erfolg weiterhin! Tschüss.

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Lernen Sie Designer, Fotografen, Künstler und Kreative in spannenden Podcast-Interviews kennen: Nahtlos! Das Lifestyle Podcast

„I do a really great show!”: Nahtlos! Interview mit Designerin Anna Sui

Für eine ganze Woche war Modedesignerin Anna Sui, deren Imperium längst auch die Konsumwelten jenseits der Kleiderstange umfasst – ob Handys für Samsung, Plastikpüppchen für Colette oder Parfum – nach Deutschland gekommen. Grund der ausgedehnten road show: die Lancierung ihres jüngsten Duftes, „Flight of Fancy”, der exklusiv bei Douglas erhältlich ist. Doch statt von Stadt zu Stadt zu jetten, jeweils die gleiche PowerPoint-Präsentation durchlaufen zu lassen und für Fotos zur Verfügung zu stehen, tourte Anna Sui (46) mit einer Art Fashion Master Class durch die Standorte der Modeschule Esmod.

 

Auch in München konnten einige Studenten der Abschlussklasse einen Look ihrer Kollektion sowie ihre Skizzen und Bildwelten präsentieren – und erhielten Feedback von Sui persönlich. Als Fan von Suis originellem Stil-Remix, von der Suzy-Wong-Ästhetik à la Shanghai in den 20er Jahren bis zum zickigen „Gossip Girl”-Look, war es mir ein Fest, der bereits mit einem Lebenswerk-Preis ausgezeichneten Designerin im Anschluss einige Fragen stellen zu können.

 

Ihr Unternehmen wächst stetig, Sie involvieren sich in so viele unterschiedliche Projekte – würden Sie sich immer noch „nur” als Designerin beschreiben oder sind Sie längst Unternehmerin geworden.

 

Ich bin tief im Herzen immer noch Designerin, und das wird auch so bleiben. Mein Talent ist die kreative Arbeit und der versuche ich auch so viel Zeit wie möglich zu widmen. Ich bin nicht wirklich eine business woman oder Firmenlenkerin. Ich bin Designerin.

 

Zu den Studenten der Esmod München haben Sie gerade gesagt, sie sollten jede Sekunde ihrer Ausbildung zum Ausprobieren, Träumen, Experimentieren, „Rumspinnen” nutzen, denn die, oft restriktive Wirklichkeit des Modegeschäfts käme noch früh genug. Das klang fasst wehmütig …

 

Na klar. Denn genau das passiert. Vor allem, wenn man zunächst für ein Modehaus, jemand anderen, arbeitet, stehen deren Bedürfnisse im Vordergrund. Dann muss man sich darauf konzentrieren, was diese Marke braucht und wie man eine verkaufbare Kollektion für sie kreiert. Da wird die eigene Arbeit rasch kommerziell. Umso wichtiger ist es für junge Designer, sich im Studium nach Herzenslust auszudrücken, quasi ihr Inneres auszuschütten, um aufnahmefähig zu werden. Als professioneller Designer, vielleicht mit eigenem Label, geht es später eben um mehr als Selbstverwirklichung, es ist commercial art, man entwirft für einen Kunden. Und trägt Verantwortung für Angestellte.

 

 

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Haben Sie sich trotz allen Zwängen des Geschäftes einen kreativen Fluchtpunkt erhalten können? Wo und wie brechen Sie aus?
In meinen Modenschauen! Da balanciere ich alles aus – was ich will und was Kunden wollen. Ich baue immer wieder Looks ein, wo einige im Publikum sagen „Ich kann nicht glauben, dass Sie DAS über den Laufsteg schickt!”. Das sind die Stücke, die ich selbst brauche, damit meine Arbeit den Stress wert ist.

 

Die Welt der Parfums und der Modekosmos nähern sich immer stärker an, manche Marken haben nur als Duft überlebt. Wie sehen Sie diese lukrative Symbiose zwischen Textilien und Aromen?

 

Ich glaube, es gibt keinen Designer, der nicht ein eigenes Parfum zum Ziel hat. Die Schwierigkeit besteht darin, die ästhetische Welt eines Modeschöpfers mit einem Duft zu interpretieren. Ich finde nämlich, dass so ein Duft den Käufer genauso mitreissen muss, wie es eine Fashion Show kann. Für mich geht es hier wie da um etwas Märchenhaftes, Fantastisches, um ein Ideal, das dem Publikum oder Parfümkäufer als sehr erstrebenswert erscheint. Was ich an Parfüms mag, ist, dass sie meine Ideen noch viel weiter tragen, zu mehr Menschen, als es meine Kollektionen können. Denn, sein wir ehrlich, manchmal ist das eigene Budget eben nicht so üppig, als dass man sich gerade ein Babydoll-Kleid von Anna Sui leisten könnte. Da schlägt dann die Stunde meiner Düfte.

In den letzten Tagen war in der New Yorker Lokalpresse zu lesen, Sie wären still und heimlich zur Immobilien-Queen avanciert. Was ist dran?

 

Das ist total übertrieben. Ich habe einfach nur die Angewohnheit, Nachbarn zu bitten, mir Bescheid zu geben, wenn sie ausziehen …

 

Stichwort Demokratisierung der Mode: Vor zwei Jahren entwarfen Sie für und mit der Supermarktkette Target eine Kollektion, jetzt wurde bekannt, dass Missoni im Herbst ebenfalls für Target designen wird, von den Projekten, die H&M mit den Größen der Branche realisiert ganz zu schweigen. Ist der Flirt der Premium-Marken mit der Discounter-Theke nicht riskant?

 

Für mich ist die Zugänglichkeit meiner Kreationen immer schon das Wichtigste gewesen. Als ich mein Unternehmen gründete, ging es mir nie darum, im Elfenbeinturm der Couture zu thronen. Ich wollte keine übertriebenen Hürden zwischen Kunden und unserer Marke. Die Zusammenarbeit mit Target hat die Schwelle natürlich so weit gesenkt, wie wir es nie allein könnten. Und das Target-Team, dass die Stoffe einkauft und meine Ideen umgesetzt hat, war einfach großartig.

 

Sie waren also richtig in charge, haben den Prozess aktiv begleitet und nicht bloß ihren Namen verkauft.

 

Schauen Sie sich doch einfach die Kollektion an, die 2009 in die Läden kam!

 

Die Modewelt erlebt gerade einen riesigen Innovationsschub: Kaum mehr eine runway show, die nicht live ins Internet übertragen wird, es wird getwittert, gefacebooked und alles in Echtzeit. Wie lange kann das Live-Erlebnis einer Modenschau da noch überleben?

 

Nichts wird jemals die Eindrücke und die Atmosphäre ersetzen, die man fühlt, wenn man direkt am Laufsteg sitzt. Sie sehen die Schnitte durch Ihre Augen, nicht durch ein Kameraobjektiv. Sie hören die Stoffe rascheln. Sie fühlen die Bässe der Musik. Die Elektrizität in der Location, die transportiert sich einfach nicht über ein Video. Ich habe mir schon einige live streams von Kollegen angesehen und immer gedacht „Das war’s?”, während mit Bekannte, die dort waren, so von der Energie usw. vorgeschwärmt hatten.

 

Ein Live-Event ist aber auch eine Frage des Geldes. Nicht jeder hat die 100 000 oder mehr Euro, die so ein Model-Spektakel verschlingt …

 

Sicher, es gibt Designer, die sich auch ohne Laufsteg ausdrücken können. Und für Newcomer. Was mich betrifft, kann ich dazu aber nur sagen: Ich biete eine verdammt gute Show!

 

Diese Frage ist etwas ernster, aber in diesem Jahr muss man sie einfach stellen, gerade einer Wahl-New-Yorkerin wie Ihnen. Wenn im September im Lincoln Center die New York Fashion Show stattfindet, sind die Schrecken des 11. Septembers 2001 genau zehn Jahre her. Was für Gedanken gehen Ihnen dazu durch den Kopf?

 

Ich denke in jedem Jahr an damals, wenn 9/11 näher rückt. Denn: Die Katastrophe ereilte Manhattan einen Tag vor meiner Modenschau. Und ich war in meinem Atelier mit den letzten Anproben beschäftigt, als jemand etwas von einem Flugzeugabsturz murmelte. Ich war aber so in meine Arbeit vertieft, dass ich es nur beiläufig wahrnahm. Dann rief mich ein Freund an und fragte „Was machst du noch in deinem Büro?”. Ich wusste noch gar nicht, was los war. Dann holte mich die Wirklichkeit ein – und man weiß plötzlich, was Priorität hat. Ich habe zu meinen Angestellten gesagt, dass sie erstmal einfach im Studio bleiben sollten, das wäre sicherer. Was stimmte, denn es war zunächst schier unmöglich, per Subway oder Bus irgendwohin zu kommen. So konnten alle sich ein klein wenig sammeln und später die Not-Busse nehmen, die über die Brücken in die anderen Stadtteile fuhren.

 

Letzte Frage: Ich weiß, Sie machen keine Männermode mehr, aber gibt es in einer Schublade Pläne für ein Männer-Parfum?

 

Früher präsentierten Rockstars meine Entwürfe für Männer auf dem Catwalk – und ich habe immer noch einige Herren als Privatkunden. Deshalb sprechen mein Team und ich oft über einen Duft for men, auch in den letzten Tagen wieder. Ich glaube aber, dass ich unbedingt eine Männerkollektion bräuchte, um ein solches Parfüm-Projekt zu unterstützen. Hm, wer weiß, vielleicht kommt es einmal dazu …

 

Anna Suis neuer Damenduft Flight of Fancy, den Nahtlos! Leser bereits in unserem Oster-Gewinnspiel gewinnen konnten, ist in Deutschland exklusiv bei Douglas erhältlich. Der Preis: 30 ml kosten 29,95 Euro, es sind auch 50 bzw. 100 ml erhältlich.

 

P.S. Hier noch ein Video, in dem sich Anna Sui und Marc Jacobs bei ihrem Lieblingsitaliener unterhalten. Über die wilden 90er und wie es ist, bereits für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden zu sein:

HÖRTIPP:
Lernen Sie Designer, Fotografen, Künstler und Kreative in spannenden Podcast-Interviews kennen: Nahtlos! Das Lifestyle Podcast

„Breakdance, BMW und Biofleisch – warum nicht?”: Nahtlos! Interview mit Schauspieler Moritz Bleibtreu

Strahlender Sonnenschein in Hamburg. Durch die Terrassentür fällt Licht in die kleine Bibliothek des Hotel George auf der Langen Reihe, wandert über die Interview-Sitzgruppe – und ruht schließlich auf einigen Elektrorasierer. Die spielen heute jedoch eher eine Nebenrolle, denn der Mann, auf den die Kolleginnen und ich warten, Aufnahmegeräte auf Standby und Papierseiten voller Fragen, hat sich vom Kleingedruckten ganz unten auf Filmplakaten auf die Oberkante der Poster vorgearbeitet. Und spaziert nun gut gelaunt durch die Glastür, auf die wir so ungeduldig starren.

 

Dafür, dass er nicht nur für sich, sondern diesmal gleichzeitig für Rasierapparate von Braun werben soll, ist Moritz Bleibtreu, das frisch gebuchte Braun testimonial glänzend gelaunt. Und macht im ausführlichen Gespräch, das folgt, seinem Ruf alle Ehre, die Klaviatur von jugendlichem Kumpeltyp bis zum ernsten Charaktermimen mit Tiefgang perfekt zu beherrschen. Ganz natürlich und ansatzlos wechseln die Themen vom modernen Männerbild über werbende Schauspieler, die Faszination von Videospielen bis hin zum Widerspruch zwischen Bio-Fleisch und BMW-Fahren.

 

Der moderne Mann, suggerieren uns Medien wie Psychologen, steckt in der Sinnkrise, ist sich seiner Rolle nicht mehr so sicher und eigentlich ein ziemlich armes Würstchen. Für Braun verkörperst du jetzt eine weitere Variante zeitgemäßer Männlichkeit. Wie würdest du denn das Mannsein 2011 beschreiben?
Es wird uns suggeriert, genau. Und dadurch entsteht Unsicherheit, übrigens auch bei den Frauen. Doch sind das echte oder nur künstlich erzeugte Probleme? Als Familienvater muss ich sagen, dass eine gewisse Rollenverteilung zwischen Mann und Frau spätestens mit Kindern zur logischen Konsequenz wird und sich einfach automatisch ergibt. So oder so. Wenn so ein kleines Ding plötzlich da ist und schreit, dann wird sekundär, wer wo welche Rolle spielen will, sollte, darf und so weiter.

 

Warum offensichtlich einige in unserer Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass Männer und Frauen den Bezug zu sich verlieren, weiß ich nicht. Wenn ich in mein Umfeld gucke, dann gibt es eigentlich nur einen einzigen Grund, wenn in einer Beziehung die Rollenverteilung nicht funktioniert – und das ist Liebe. Wenn da was nicht stimmt, wenn zwei sich nicht lieben, dann wird es schwierig.

 

Und ich persönlich finde, dass nicht alles an den traditionellen Rollen blöd war. Sicher, einiges daran ist verbesserungswürdig, was aber im Umkehrschluss auch nicht bedeutet, dass Männer auf einmal weiblicher sein und sich alle Körperhaare abrasieren sollten und Frauen auf einmal maskuliner werden müssten. Ich stelle wirklich gern Normen in Frage, es lohnt sich aber auch zu überlegen, wie denn die Alternative aussehen könnte, was danach käme. Was mich bei dem ganzen Thema bloß wundert ist, dass jeden Abend bei RTL irgendein Comedian wieder einen Witz über Männer und Frauen reißt. Mars und Venus und so. Kann doch nicht sein, dass das immer noch so viele Leute so lustig finden, oder?!

Im Kino können wir gerade das letzte Aufbäumen der Haudegen beobachten. Ob Jeff Bridges in „True Grit” oder, neue Teile von „Rambo” und „Rocky” oder Arnold Schwarzenegger, der gerade für einige Filme unterschrieben hat. Die alten Recken sind nicht totzukriegen, das sind sozusagen unsere John Waynes. Sehnt sich das männliche Publikum nach einer Welt, in der Männer noch Rauhbeine waren und Schwierigkeiten mit der Waffe und nicht endlosen Diskussionen lösten?

Psychologisch gesehen magst du Recht haben, dass über das Leinwanderlebnis kompensiert wird. Ich glaube allerdings eher, dass das nach den Regeln der Mode funktioniert und es am Ende bloß ums Geld geht. Man kann eben eine Idee nur so lange verkaufen, mit all den Accessoires, die dazugehören, bis sie langweilig werden und man sie muss austauschen muss. Es hätte vor 15 Jahren keiner gedacht, dass man Männern Pflegeprodukte für ihre Beine verkaufen kann. Es gibt Menschen die wirtschaftliches Interesse daran haben, Bedürfnisse zu erzeugen, Produkte dafür zu entwickeln und so neue Märkte zu erschaffen.

 

Und momentan lässt sich offensichtlich mit harten Kino-Kerlen Geld machen. Nützlich ist dabei, dass Männer wie Frauen mehrheitlich eine gewissen Grundangst mit sich herumtragen, ständig auf der Suche nach sich selbst sind. Und was hilft gegen Angst? Konsum! Wir beruhigen unsere Ängste, indem wir konsumieren. Und das klappt leider Gottes immer wieder wunderbar. Das machen uns vor allem die metrosexuellen Männer vor. Gut, von Rasierern sprechen wir dabei jetzt nicht, denn rasieren müssen sich Männer seit es sie gibt. Außer sie leb(t)en in den Bergen und schmeißen Bomben … Wer aber Peelingcremes für die Beine oder Push-up-Unterhosen braucht, das wüsste ich gern..

 

Du surfst also nicht auf der Beauty-Welle?

Eine gewisse Grundgepflegtheit ist natürlich wichtig. Schließlich will man die Umwelt ja nicht mit seinem Antlitz und Geruch erschrecken. Ich definiere mich allerdings nicht über Kleidung oder Ähnliches, sondern hoffentlich über das was ich mache. Das ist mir viel wichtiger. Ja, Schönheit kommt von innen. Und Ausstrahlung und Sexappeal haben etwas mit der eigenen Befindlichkeit zu tun. In dem Moment, wo man zu seiner Mitte findet, wird man das spüren. Und dann zählt nicht mehr der Abstand der Augen oder die Entfernung der Nase zum Mund. Dann ist Tilda Swinton nicht geometrisch perfekt und trotzdem eine wunderschöne Frau. Weil sie sich gefunden hat. Und das sieht man ihr an.

 

Wie haben sich denn Braun und du gefunden?

Man hat mir einfach eines Tages ein ganzes Paket angeboten, inklusive Rankin als Fotograf der Werbekampagne. Nach wenigen Treffen war klar, hier kriegen wir ein win-win hin. Und ich habe vor allem eins gemerkt: Niemand will mich in irgendeine Richtung biegen oder mich als etwas verkaufen, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Vor 20 Jahren hätte man als Schauspieler nicht einmal theoretisch darüber nachgedacht, Werbung zu machen. Für mich gehört Werbung heute aber zur Unterhaltung, und solange ich mich weder verstellen muss noch ein Produkt bewerben, von dem ich nicht überzeugt bin, dann finde ich das eine super Sache. Die Zusammenarbeit mit Braun hat mir jedenfalls irre viel Spaß gemacht.
Um deine Bekanntheit zu steigern bräuchtest du solche Kampagnen eigentlich nicht. Was war der finale Grund, für Braun den E-Rasierer zu schwingen?

Das Argument Nummer 1 bei solchen Projekten ist immer Geld. Sobald ich als Schauspieler nicht die Möglichkeit habe, irgendeine Geschichte zu erzählen, einen Film zu drehen, ein Stück zu spielen oder etwas anderes machen kann, wo ich Menschen emotional involviere, dann geht es mir um Geld. Lange Jahre hat sich die Werbung nicht an mich herangetraut, dann hat sich das irgendwann so ein bisschen geändert. Das Geld, was ich mit der Werbung verdiene, ermöglicht mir einfach, meine Rollen freier zu wählen und weiterhin auch Filme, wie „Chiko“ oder Ähnliches zu machen. Also Filme, bei denen ich wirklich kein Geld verdiene.

 

Hast du keine Bedenken, vom ernsthaften Schauspieler zur Werbeikone zu werden?

Nein. Sicher, man muss wachsam sein, aufpassen, dass man sich immer in erster Linie über seine Arbeit definiert und nicht durch 30-Sekunden-Spots. Doch selbst in meiner Branche hat sich das Vorurteil gelegt, mit Werbejobs verrate man seine Zunft. Heute werden doch auch Filme längst als das betrachtet, was sie sind: ein Produkt. Und zwar eines, dessen Herstellung refinanziert werden muss. Da wird der Star, der im Film auftritt, zum unique selling point, zum USP. Das ist in den USA längst die Regel und nicht der Rede wert.

 

Werbung für Filme und Werbefilme – ganz schön kompliziert für einen Schauspieler, dabei immer seine Mitte zu finden und zu wahren.

Die Verschmelzung von (werbewirksamem) Glamour und der Bühne oder Leinwand gab schon einmal, so in den 40er und 50er Jahren. Spencer Tracy, Grace Kelly, Marilyn Monroe, das war unnahbarer, unwirklicher Glamour wie aus dem Marketing-Handbuch. Erst Topmodels wie Twiggy in den 70er Jahren und die Laufsteg-Diven der Achtziger trugen diesen entrückten Appeal auf die Straße und die Magie von einst wurde auf Looks heruntergebrochen, es ging bloß noch um gutes Aussehen. Jetzt geht die Zeit der Supermodels zu Ende, man kennt die Namen der Mädchen, die in Paris oder London laufen nicht mehr. Aber wer bei Victoria‘s Secret Unterwäsche vorführt, da kann ich dir fünf Namen nennen.

 

Wofür stehst du denn?

Das ist eine schwierige Frage. Mein Image ist eher diffus, unterschiedliche Leute nehmen mich ganz verschieden wahr. Ich fand das immer von Vorteil für meinen Beruf.

 

Gibt es denn nicht einen gemeinsamen Nenner?

Die ganze Palette! Das ist einer der Gründe, warum ich das Glück habe, verschiedene Figuren spielen zu dürfen. Eben weil das Bild von mir so vage ist und mir die Menschen einiges abkaufen. Ich liebe diese Ambivalenz, ich bin viele! Ich liebe Breakdance. Ich lese Shakespeare. Ich bin Familienvater. Ich fahre gern schnelle Autos und esse Biofleisch. Und das ist ein Problem in Deutschland, wo man immer versucht, Leute in Schubladen zu zwängen. In den USA dagegen findet man Vielschichtigkeit im Showbusiness toll. Wenn Menschen widersprüchliche Dinge machen wie Biofleisch essen und einen rasanten BMW zu fahren..

 

Man besetzt beispielsweise besetzt Robert De Niro in einer wilden Komödie wie „Meine Braut, ihr Vater und ich”.

Oder nehmen wir Mickey Rourke. Den würde nach seinen Tiefs und Ausrastern in Deutschland nie wieder jemand etwas machen lassen, weil wir ungern jemanden wieder aufstehen sehen. Und das finde ich schade, denn das Leben ist grau und komplex. Gerade deswegen habe ich mir ja diesen Beruf ausgesucht, weil er mir die Möglichkeit bietet, in vieles hineinzuschauen und mich für die paradoxesten Dinge zu begeistern. Wer will schon sorgfältig einsortiert werden – und bleiben? Gunter Sachs, der war in der Klatschpresse der ewige Playboy, dem ging es immer gut. Stimmt, er heiratete einst Brigitte Bardot. Aber dass er auch Mathematiker war und einer der bedeutendsten Kunsthändler der 80er Jahre war, dass fällt den Journalisten erst jetzt wieder ein.

 

Sachs war für den deutschen Boulevard einfach ein zu komplexer Charakter.

Aber das ist doch sehr schade! Seit unsere nationale Identität kaputtgegangen ist, leben wir in einer Zeit, in der wir uns nach dem Mittelmaß sehnen. Weil die Mittelmäßigkeit auch Sicherheit bedeutet. Dadurch ist unsere Medienwelt bevölkert von mediokren Talenten Ich nenne da jetzt keine Namen, aber diese Mittelmäßigkeit zieht sich durch das ganze Land. Egal welche Branche oder Position. Und wer dem nicht entspricht, der ist den Leuten eigentlich zu viel.

Trauen die Medien und nicht mehr Denk- und Differenzierungsleistung zu?

Ich glaube ja. Und das ist ein absoluter Denkfehler. Die Menschen sind viel intelligenter, als Chefredakteure und Programmverantwortliche glauben. Nehmen wir nur mal die These, das Internet würde die Bücher töten. In Wirklichkeit lesen die Menschen so viel wie nie zuvor. Und so schlecht scheint man mit gedruckten Büchern auch nicht zu verdienen, wenn ich erst neulich ein Kochbuch angeboten bekomme. Wer hat nur ein Interesse daran, das Buch vorschnell zu begraben?

 

Kommt denn das Kochbuch?

Nein. [lacht] Ich habe mich mit der erstbesten Antwort à la „Das Buch ist tot” nie zufrieden gegeben.

 

Weil du gerade von deutscher Mittelmäßigkeit gesprochen hast, da fällt mir das deutsche Fernsehen ein. Du hast mal gesagt, mit dem Fernsehen wärest du durch. Erste Frage: Ist das noch so? Und zweite Frage: Warum ist das deutsche Fernsehen so miserabel?

Das deutsche Fernsehen ist nicht schlecht.

 

Aber verglichen mit dem amerikanischen, vor allem mit dem privaten Fernsehen wie es HBO, Showtime & Co. machen – und zwar oft besser als das US-Kino …

Aber das ist auch das einzige Feld. Und das liegt einfach daran, dass sie eine Autorenkultur haben die weit zurückgeht. Die Serienkultur ist in Amerika so stark, da werden wir nie hinkommen. Aber im Bereich Doku und Feature sind wir Weltklasse. Und die Tatsache, dass ich kein Fernsehen mache, ist keine Absage an das Fernsehen. Es ist ein lautes „Ja” für das Kino. Mir ist das aktive Zugucken, das Gemeinschaftserlebnis eines Kino-Publikums sehr wichtig.

 

Wie im Theater.

Genau! Das ist der Raum, in dem ich groß geworden bin und das finde ich toll! Wenn du sieben Euro gezahlt hast und durch die halbe Stadt fährst, bist du viel motivierter, dir ein Stück anzuschauen, als wenn du einfach guckst und jederzeit ausmachen kannst. Aber spätestens in 15 Jahren wird es keinen Unterschied mehr zwischen Kino und Fernsehen geben. „Der Untergang” zum Beispiel ist ein so genannter „Amphibienfilm”, den Fernsehsender mitfinanziert haben um sich die Erstausstrahlung und weitere Verwertung zu sichern. Alles wird verschmelzen – vom Film über das TV bis zu Videospielen. Und all das passiert in 3D.

 

Bist du ein Gamer?

Gar nicht! Nein überhaupt nicht. Früher ein bisschen, aber das ist mir irgendwann zu kompliziert geworden. Aber ich bin fasziniert von Technik, das interessiert mich sehr. Allein in diesem Rasierer steckt mehr Technik, finde ich, als in der Apollo 1 Mission. Aber es ist definitiv etwas, was eine Riesenrolle spielen wird. Gerade das Internet, wo man interaktiv mitgestalten kann. In diesem Rasierer steckt mehr Technik als in der Apollo 1 Mission.

 

Rasierer – die neuen Mondraketen?

Genau. Ich finde immer toll zu sehen, was Menschen sich ausdenken können. Vieles kann ich bloß staunend unter W wie Wunder ablegen, wie das Fliegen im Flugzeug oder Mobiltelefone. Wahre Wunder!

 

Musst du vertraglich glatt rasiert bleiben oder darfst du einen Drei-Tage-Bart tragen…?

Ich bin Schauspieler und deshalb darauf angewiesen, je nach Figuren mein Aussehen zu ändern. Insofern wäre es unmöglich mich zur regelmäßigen Rasur zu verdonnern.

 

Als Schauspieler spielst du ja vor der Kamera eine Rolle. Wie erging es dir bei den Fotoaufnahmen mit Star-Knipser Rankin?

Das hängt natürlich stark vom Fotografen ab. Grundsätzlich bin ich immer froh, wenn ein Fotoshoot vorbei ist.

 

Warum? Weil es keine Handlung gibt?

Ja, du sagst es. Das ist das Problem. Bei einem Beauty-Shoot wie für Braun geht es um posen ohne zu posen. Und das ist schwer. Mit der Zeit aber lernt man, sich vor einer Kamera positiv zu verkaufen.

 

Wie viele Foto-Blicke hast du denn drauf?
Einen.

Die Rollen, die du auswählst sind extrem vielfältig und unterschiedlich. Was muss ein Part haben, damit du dich dafür interessierst? Und wie bereitet man sich auch eine Rolle wie Josef Goebbels vor?
Das habe ich mich selbst Jahre lang gefragt habe, also warum begeistert mich zum Beispiel das eine Buch und das andere nicht. Irgendwann habe ich dann die Erfahrung gemacht, dass die Figuren mich aussuchen und nicht andersherum. Es geht immer um meine momentane Befindlichkeit, die Parallelen zwischen der eigenen Persönlichkeit, der Rolle und dem Zeitpunkt, in dem ich ein Buch lese. Manchen Film hätte ich vermutlich zwei, drei Jahre später nicht gemacht, weil ich nicht derselbe gewesen wäre.

 

Und zur zweiten Frage: Ich bin kein großer Vorbereiter. Ich glaube tatsächlich, dass Schauspielerei sich zu 85 Prozent aus Textverständnis und Instinkt zusammensetzt. Dann gibt es noch Figuren [wie Goebbels], für die man eine gewisse handwerkliche Vorbereitung braucht. Und wenn sie auch noch historisch sind, muss man sich einlesen, recherchieren. Das sind aber dennoch nur 15 Prozent, der kleinste Teil. Ich bin definitiv kein method actor.

 

Weil es künstlich ist?

Nein. Was die method eigentlich ist, ist das Reproduzieren von Gefühlen und eine Reproduktion von Gefühlen ist kein Erleben. Du hast eine hochemotionale Szene, baust deine Gefühle auf und spielst dann die Szene. Das finde ich kontra-kreativ, um ehrlich zu sein. Kreativität in der Schauspielerei ist für mich, eben nicht zu wissen, ob ich in dem Satz heule oder nicht und mich von Text und der Situation mitnehmen zu lassen, mich damit zu überraschen. Und somit auch die Zuschauer.

 

Zur Person: Der Schauspieler Moritz Bleibtreu, 39, wurde in München geboren. Er ist mit der aus Schweden stammenden Grafikerin Annika zusammen, die Ende November 2008 David zur Welt brachte. Zuletzt war Bleibtreu in „Goethe“ und „Gegengerade – 20359 St.Pauli“ zu sehen. Die Täuschungskomödie „Mein bester Feind“, die im Dritten Reich spielt, startet am 1. September, danach folgt im Winter 2011 der Thriller „Im Jahr der Schlange“. Bleibtreu spielt dort einen Klatschreporter, der zwischen die Fronten von Geheimdienst und Mafia gerät.

 

Moritz Bleibtreu wurde bisher mit folgenden Preisen ausgezeichnet:

 

1997: Ernst-Lubitsch-Preis für seine Rolle in „Knockin‘ On Heaven’s Door“
1999: Jupiter – Bester deutscher Darsteller für „Lola rennt“
1999: Deutscher Shooting Star des europäischen Films
2000: DIVA-Award
2001: Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis)
2001: Deutscher Filmpreis – Bester männlicher Schauspieler für seine Hauptrolle in „Im Juli.“
2002: Jupiter – Bester deutscher Darsteller für „Das Experiment“
2002: Seattle International Film Festival – Golden Space Needle als bester Darsteller in „Das Experiment“
2005: Goldene Romy – Beliebtester Schauspieler
2006: Silberner Bär auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin für die beste Hauptrolle in dem Film „Elementarteilchen“
2006: Goldene Romy – Beliebtester Schauspieler
2010: Preis für Schauspielkunst des Festival des deutschen Films

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„Ich gebe niemals auf!”: Indie-Film-Produzentin und IFP-Direktorin Joana Vicente im Nahtlos! Interview

Was wir an unserem Job so lieben, sind die spannenden, inspirierenden, einfach sehr besonderen Menschen, die wir immer wieder treffen und sprechen dürfen. Eben so eine außergewöhnliche Person ist auch Joana Vicente, Executive Director des Independent Filmmaker Project/IFP in New York. Seit 1979 unterstützt die Non-Profit-Organisation unabhängige Filmemacher in New York City und überall in der Welt, derzeit gehören 10 000 movie makers zum IFP-Netzwerk. Seit der Gründung vor 32 Jahren profitierten mehr als 7000 Filme und über 20 000 Filmemacher von dem einzigartigen Projekt: durch Workshops, Seminare, Konferenzen, Mentoren und Business-Knowhow. Die jährlich verliehenen Gotham Awards des IFP sind der erste Preis jeder Saison.

Wir sprachen mit Joana Vicente anlässlich der Bekanntgabe einer Partnerschaft des Independent Filmmaker Project mit Calvin Klein und dessen Parfüm „Euphoria”. Die Marke wird im Rahmen der nächsten Gotham Awards am 28. November 2011 ein Stipendium unter dem Titel Spotlight on Women Filmmakers ‚Live the Dream‘ an eine Regie-Debütantin vergeben. Im Interview verrät Joana Vicente, für welchen Film sie bisher am härtesten kämpfen musste, welches ihr liebster movie snack ist – und welche drei Filme ihre Kindheit prägten.

Welcher Film in  Cannes hat Ihnen am besten gefallen?
Sie meinen – jemals? „Das Piano”! Erst der rote Teppich vor dem Lichtspielhaus, dann die schönste Leinwand der Welt und schließlich dieser wundervolle, mysteriöse, sinnliche Film.

Was war der schlechteste Film, den Sie je gesehen haben?
Ich hasste David Cronenbergs „Dead Ringers” (dt. „Die Unzertrennlichen”).

Was machte den so miserable?
Er war gewalttätig und frauenfeindlich. Ich musste mittendrin einfach rausgehen.

Was ist Ihr geheimes Talent?
Niemals aufzugeben.

Für welchen Film mussten Sie bisher am härtesten kämpfen? Was waren die besonderen Hürden?
Definitiv „Three Seasons” von Tony Bui. Er wurde in Vietnam gedreht, auf Vietnamesisch, finanziert mit Geld aus Amerika. Niemand hatte je einen US-Film dort gedreht – und der Regisseur war ein 25-jähriger Newcomer. Dass wir überhaupt das Budget zusammenbekommen hatten, war ein Wunder. Und dann mussten wir drehen! Ein Zensor der Regierung war immer am Set präsent, die Sprachbarrieren waren extrem, das Drehbuch mehr als ehrgeizig und anspruchsvoll, unsere Mittel sehr begrenzt … und die Film-Infrastruktur katastrophal. Eigentlich kam alles aus dem Ausland: die Scheinwerfer aus Kanada, der Stromgenerator aus Südafrika, das Filmmaterial aus den USA, Australien und Thailand, die Kameras aus Los Angeles und Hongkong. Es war der schiere Wahnsinn. Und ein Riesenspaß! Das Beste: „Three Seasons” gewann alle wichtigen Preise beim Sundance Film Festival – den der Jury, den des Publikums und einen für die Kameraführung.

In welches New Yorker Kino gehen Sie besonders gern?
Ins Ziegfeld auf der 54. Straße für die Blockbuster und ins Lincoln Plaza, 62nd/63rd Street, für Kunstfilme.

Wer ist ihr liebster Kino-Bösewicht?
Johnny Depp als Captain Jack Sparrow.

Ihr Liebling-Leinwandheld?
Lassie.

Was war ihr seltsamster Job?
Ich habe als Touristenführerin in Südost-China.

Was naschen Sie im Kino?
Popcorn, gemixt mit Schokorosinen.

Ihr Soundtrack-Favorit?
Die Musik zu „Bis ans Ende der Welt” von Wim Wenders. Und der „Magnolia”-Soundtrack mit Aimee Mann.

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Wie würden Sie sich beschreiben: Film-Kennerin oder movie nerd?
Ich bin kein nerd! Also: eine Kennerin.

Welcher Film hat sie als Kind oder Teenager am meisten beeindruckt?
Die Kino-Musicals mit Fred Astaire, Jerry-Lewis-Filme und, natürlich, „Vom Winde verweht”.

Welche Schauspielerin und welchen Schauspieler bewundern Sie? Warum?
Kate Winslet, weil sie großartig spielt und ein gutes Händchen bei der Rollenwahl hat. Und Sean Penn, weil er sich so intensiv engagiert.

Ihr lustigstes Halloween-Kostüm?
Ich verkleide mich nicht an Halloween.

Wie sehen Sie Filme am liebsten: Kino, Leih-DVD oder web stream von Netflix?
Ja.

Entertainment-Laster: Welcher Reality-TV-Show können Sie nicht widerstehen?
„American Idol”, das gucke ich mit meiner Tochter.

Wie würden Sie Ihren Modegeschmack beschreiben?
Eklektisch, also von allem etwas. Ich trage beispielsweise unheimlich gern Calvin Klein Collection. In den Entwürfen von Francisco Costa fühle ich mich so chic und sophisticated.

Ihr liebstes Parfüm ever?
„Euphoria” und „Opium”.

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Countdown Berlin #17: 11 Fragen an André Märtens, L'Oréal Professionnel

  1. Berlin ist … zur Zeit die aufregendste Metropole der Welt.
  2. Was ist für Sie während der Berliner Modewoche unverzichtbar?
    Das Haarspray tecni.art air fix No. 5 von L’Oréal Professionnel, meine Wunderwaffe backstage mit sehr starkem Halt.
  3. Ihr kosmetischer Berlin-Geheimtipp?
    Eine gesunde Seele braucht einen passenden Körper. Also raus ins (bald wieder) Grüne und Sport machen, am besten im multikulturellen Tiergarten.
  4. Ihre Ruheoase während der Modewoche?
    Der Kakaoautomat backstage – hier nehme ich meine kleine Auszeit.
  5. Worauf freuen Sie sich besonders im Beauty-Sommer 2010?
    Wie jeder Mann natürlich auf die Sommerröcke der Damen. Und auf die neue Strampler-Kollektion für meinen kleinen Sohn.
  6. Was haben Sie zuletzt gekauft?
    Einen digitalen Camcorder, um backstage noch mehr aufzunehmen.
  7. Ihr Lieblingskleidungsstück?
    Ohne die Slim-Fit-Hemden von Gucci, die Tom Ford damals eingeführt hat, kann ich nicht leben.
  8. Ihre Frisuren-Looks für den Herbst/Winter 2010/2011 in einem Satz.
    Allgemein: Locker, lässig, legère!
    Die Männer: Garantiert keine kurzrasierten Köpfe, alles entspannter und natürlicher.
    Die Frauen: Weiche Formen und Farben, natürliche Goldtöne und keine aufgesetzten Stylings.
  9. Was lieben und was ‚hassen’ Sie an Ihrer Arbeit?
    Ich liebe den Kontakt zu Menschen und tue ihnen gern Gutes. Ich ‚hasse‘ es, wenn Leute meinen, aus „Zeitmangel“ ihr Selbst nicht wichtig nehmen zu können. Die verpassen echt was.
  10. Was haben Sie aus der Wirtschaftskrise gelernt?
    Ich versuche mich so zu verhalten als gäbe es sie nicht und nicht in die Falle der self-fulfilling prophecies zu tappen. Diese Strategie funktioniert – toi, toi, toi – sehr gut.
  11. Mit welcher historischen Figur identifizieren Sie sich?
    Das fragen Sie einen Friseur? Ferdinand Porsche ist mein Vorbild, weil er in Sachen Ästhetik etwas geschaffen hat, was bis heute nahezu unerreicht bleibt.

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