Countdown Milano: Interview mit Veronica Etro, Designerin der Womenswear von Etro

Vor etwas mehr als einem Jahr durfte ich Veronica Etro für „how to spend it” interviewen – ebenso wie mein Gespräch mit Kean Etro eine mehr als angenehme Erfahrung. Es muss der ganz besondere Spirit dieser Familie sein, der jedes Zusammentreffen als besonderes Erlebnis in die Großhirnrinde graviert. Kein Wunder also, dass wir uns sehr freuen, dass Veronica Etro, Designerin der Frauen-Kollektion der Marke Etro, sich kurz vor dem Start der Milano Moda Donna die Zeit für unseren Fragebogen nahm.

 

Ihre Winterkollektion 2011/2012 in einem Satz. Textile Relikte in einer postmodernen Zeit.

 

Das Lieblingsstück aus der Kollektion?
Alle unsere Drucke.

 

Was ist Ihr verborgenes Talent?
Ich bin sehr diplomatisch!

 

Was für ein Look wird den Sommer bestimmen?
Natürlich Paisley-Muster.

 

Wo werden Sie ihre Ferien verbringen?
Ich weiß noch nicht genau wo – aber es wird eine Insel sein und ich werde meine Jungs dabei haben.

 

Und welche Musik wird sie auf Ihrem iPod dorthin begleiten?
Keine, Ich höre lieber dem Seewind zu, dem Wellenrauschen und den Unterhaltungen der Leute um mich herum. Ich lausche gern dem wirklichen Lebend!

 

HÖRTIPP:
Lernen Sie Designer, Fotografen, Künstler und Kreative in spannenden Podcast-Interviews kennen: Nahtlos! Das Lifestyle Podcast

Countdown Milano: Interview mit Massimiliano Giornetti, Creative Director Salvatore Ferragamo

Nur wenige Tage vor Beginn der Mailänder Damenschauen konnte freundlicherweise auch Massimiliano Giornetti, als Creative Director für alle Produktlinien von Salvatore Ferragamo verantwortlich, seinem busy schedule einige Minuten für unsere Fragen nach der Winterkollektion 2011 und – als Kontrast – zu seinen Plänen für den Sommer abringen. Mille grazie!

 

Ihre Winterkollektion 2011/2012 in einem Satz.
Da brauche ich definitiv mehrere! Es ist eine Alchemie der Kontraste: maskulin trifft feminin, Schwarz auf Weiß, legere auf streng, mikro trifft makro. Wir verwenden Animal-Prints und Details aus der Lingerie. Die Jacken sind männlich geschnitten, mit spitzen Aufschlägen und traditionellen Mustern wie Prince of Wales/Glencheck, Nadelstreifen und Hahnentritt. Unsere Mäntel und Trenchcoats sind recht „geräumig”, gefüttert oder eingefasst mit Fuchspelz, Nerz oder Luchs. Dazu spektakulärer Schmuck: geometrische Halsketten, Halsreife mit schwarz-weißen Kristallen und „Panther”-Armreifen mit Swarovski-Akzenten.

 

Was hat Sie dazu inspiriert?
Der Glamour und die Attitüde der arbeitenden Powerfrauen aus den frühen 80er-Jahren, denn sie verbanden Eleganz mit sophistication und einem Luxus, der Klasse hatte.

 

Wer ist Ihre Muse?
Carol Bouquet, Lauren Hutton, Marella Agnelli. Völlig unterschiedliche Frauen, die gänzlich verschiedene Stile pflegen – und doch alle jede Menge Persönlichkeit versprühen.

 

Das Lieblingsstück aus der Kollektion?
Die Schuhe! Etwa ein Pump, den Salvatore Ferragamo einst für Marilyn Monroe fertigte. Ein besonderer Schuh verleiht einfach jeder Frau eine Extra-Dosis Selbstbewusstsein und Weiblichkeit.

 

Was ist Ihr verborgenes Talent?
Das halte ich geheim, um Menschen zu überraschen, die ich liebe.

 

Was für ein Look wird den Sommer bestimmen?
Der Sommer gehört Göttinnen mit anbetungswürdig mühelosem Stil. Eleganz, und zwar völlig dégagé [ein wundervoll französisches Wort für lässig]. Beispielsweise handgehäkelte Kleider zu flachen Sandalen, ein Strickbadeanzug und ein Abendkleid „zum Spielen”.

 

Wo werden Sie ihre Ferien verbringen?
Ui, der Sommerurlaub fühlen sich noch sehr weit entfernt an gerade. Aber mit Sicherheit werde ich ihn am Mittelmeer mit Freunden teilen.

 

Und welche Musik wird sie auf Ihrem iPod dorthin begleiten?
Songs sind für mich der Soundtrack meines Alltags. Und der ändert sich je nach Stimmung, Ort und dem jeweiligen Moment. Meist höre ich einer tollen Stimme zu, egal ob Mann oder Frau: vielleicht Antony And The Johnsons, Bryan Ferry, Kings of Convenience oder Sade.

 

Bei einem so bunt gemischten Sommer-Soundtrack hoffen wir, dass Signor Giornetti mit unserer Wahl einverstanden ist: Antony And The Johnsons mit „Hope There’s Someone”:

HÖRTIPP:
Lernen Sie Designer, Fotografen, Künstler und Kreative in spannenden Podcast-Interviews kennen: Nahtlos! Das Lifestyle Podcast

Countdown Milano: Interview mit Laura Lusuardi, Creative Director von Max Mara

Wir sind zwar diesmal wegen einer Reihe anderer spannender Projekte nicht persönlich auf der Mailänder Fashion Week unterwegs, doch dafür lassen wir einige Designer auf Nahtlos! zu Wort kommen, die ab dem 23. Februar dort ihre Damenkollektionen präsentieren. Den Anfang macht Laura Lusuardi, seit 1969 (!) Kreativ-Direktorin von Max Mara und den diversen Nebenlinien. Spannend: Für die Marke Max Mara arbeiteten über die Jahre so einige bekannte Namen der Modewelt, von Karl Lagerfeld über Jean-Charles de Castelbajac, Dolce & Gabbana bis zu Narciso Rodriguez. Hier nun die Antworten von Laura Lusuardi:

 

Was waren die wichtigsten Inspirationen für ihre Winterkollektion 2011/2012? Everything British! Strick, Duffelcoats, Biker-Jacken mit einem Mod-Vibe interpretiert.

 

Haben Sie eine Muse?
Marianne Faithfull

 

Das Lieblingsstück aus der Kollektion?
Ein wilder Alpaka-Mantel ohne Kragen und mit Reißverschluss.

 

Was für ein Look wird den Sommer bestimmen?
Athletische Körper und enge Jerseyhosen.

 

Wo werden Sie ihre Ferien verbringen?
An der französischen Riviera.

 

Und welche Musik wird sie auf Ihrem iPod dorthin begleiten?
The Drums

 

Da haben wir doch gleich den passenden Clip, liebe Laura Lusuardi, und danken herzlichst für das Interview!

HÖRTIPP:
Lernen Sie Designer, Fotografen, Künstler und Kreative in spannenden Podcast-Interviews kennen: Nahtlos! Das Lifestyle Podcast

Dirndl nach Shanghai: Pre-Wiesn-Interview mit Designerin Anja Nina Württemberger von Anina W

Die Wiesn ist nicht einmal mehr zwei Wochen entfernt, höchste Zeit also für ein Einstimmungsinterview auf das Oktoberfest 2011 mit einer Frau, die sich bestens mit dem weltbekannten Volksfest – vor allem mit seiner Mode – auskennt. Hier ist mein Interview mit Designerin Anja Nina Württemberger, die vor vier Jahren ihr äußerst erfolgreiches Dirndl-Label Anina W gründete. Dessen Modelle bestechen mit handwerklichen Details wie Spitze, Perlenbesatz, Schleifen, Charivaris und Swarovski-Kristallen ebenso wie mit teils eingesetzten Saristoffen oder außergewöhnlicher Schnittführung. Ihr Markenzeichen? Ein kleiner Amor.

1. Für einen gebürtigen Hamburger erklärt: Was ist so toll am Dirndl?
Es ist der ultimative Schönmacher: Es betont alles, was top ist an einer Figur, und es kaschiert, was eher zu den Problemzonen gehört – ob jetzt O-Beine oder vielleicht sehr rundliche Hüften. Ich habe die unterschiedlichsten Kundinnen, und eine Frau, der ein Dirndl nicht steht, muss ich immer noch suchen. Ein Dirndl zaubert eine tolle Taille, es ist ein extrem weibliches Kleidungsstück, das im positivsten Sinne etwas Mütterliches ausstrahlt.

2. Klingt nach der perfekten Passform – aber so gar nicht cool.
Stimmt, ein Dirndl ist nicht cool. Aber ich beobachte gerade bei meinen jüngeren Kundinnen eine ganz starke Sehnsucht nach Tradition und alten, vielleicht auch ein wenig konservativen Werten. Und das alles verkörpern die Tracht und das Dirndl auf jeden Fall. Mich überrascht immer wieder, dass manch junge Frau sich ein viel „spießigeres” Dirndl wählt, als eine ältere Frau, die ihre Mutter sein könnte.

3. Was ist das Besondere an den Couture-Dirndln von Anina W?
Ich mache grundsätzlich nur Dirndl, die ich selbst tragen würde, ohne Ausnahme! Und das will was heißen, denn ich kleide mich eher wie ein rock chick, also schwarze Lederhose, Tanktop, Silberschmuck. Mit den Dirndln lebe ich, und leben auch meine Kundinnen einfach ihre Prinzessinnen-Seite aus. Zu viel Tüll und Glitzer gibt’s bei mir trotzdem nicht, authentisch muss es sein, nicht à la Disney. Beim Entwerfen bleibt es zwar immer bei einer gewissen Länge und bei der Schürze – Tracht bleibt eben Tracht – doch ich lasse mich sehr von aktuellen Farben, Schnitten und Kollektionen der großen Modehäuser inspirieren. Im letzten Jahr schwärmte ich für Chanel und die Farben Rot und Schwarz, in 2011 haben mir die Petticoat-Kleider mit gepushtem Busen aus der Cruise Collection von Louis Vuitton sehr gefallen. Außerdem in der neuen Kollektion: Brokat und weitere schwere Stoffe, die man eigentlich von Polstermöbeln kennt, die ich aber ganz anschmiegsam und tragbar eingesetzte habe. Wichtige Farben bei Anina W sind Gold, Silber, Beige und Dunkelblau.

4. Bei Dirndln gibt es nur eine Kollektion pro Jahr, oder?
Ja, ich entwerfe etwa zwölf bis 14 Teile, dazu kommen Accessoires, Tücher, Korsagen und so weiter. Und über das ganze Jahr schieße ich immer wieder Unikate nach.
[ngal gal=19447 type=folio]
5. Ist das Oktoberfest ihrer wichtigster Umsatzbringer?
Absolut, da brennt bei uns die Hütte. Wobei ich aber das ganze Jahr über verkaufe. Viel in die Schweiz und auch nach Hamburg oder Kiel, wenn dort beispielsweise in Tracht geheiratet wird oder ein Event mit Dirndl-Dresscode steigt. Nach der Wiesn entspanne ich mich kurz auf Ibiza. Dann geht es gleich in Dubai weiter, wo ab 11. Oktober – man soll’s kaum glauben – einen knappen Monat lang ein Oktoberfest gefeiert wird. Dort habe ich fast schon ein Dirndl-„Monopol”. Karussells gibt es auf der Wüsten-Wiesn übrigens keine, weil Alkohol nur in Hotels ausgeschenkt werden darf. Also baut jede Luxusherberge ein paar Bierzelte auf und fliegt für Unsummen echte Wiesn-Bands aus München ein. Ach ja, und auch nach Shanghai reisen viele meiner Couture-Dirndl, auch dort gibt es nämlich ein Oktoberfest. An New York arbeite ich noch …

6. Wie sieht es bei den Oktoberfest-Outfits für Männer aus? Was ist trendy, was geht gar nicht?
Richtig scheußlich finde ich Landhausmode, die wie ein Kartoffelsack hängt und voller Schnallen und Knöpfe ist – egal ob für Damen oder Herren. Cool sind Vintage-Lederhosen. Mit Glück erwischt man eine, die fast 100 Jahre alt ist, solche Stücke kosten dann allerdings gern mal 2000 Euro. Für meinen Geschmack darf man dazu auch gern Converse-Sneaker tragen und ein schönes Hemd. Warum nicht unifarben, schmal geschnitten und von mir aus auch von Zara. Schlimm sind diese groben Leinenhemden mit geschnürtem Ausschnitt, in denen die Männer aussehen, als verdienten sie ihr Geld als Schäfer. Ach ja, ab 2012 steige ich übrigens auch in die Trachtenmode for men ein!

7. Zum Schluss verraten Sie Wiesn-Neulingen bitte noch ein paar Insider-Tipps.
Na, wer das erste Mal beim Oktoberfest ist, der muss schon die Klassiker mitmachen: Ein Hendl essen, mehrere Maß trinken, ein Lebkuchenherz kaufen, Riesenrad fahren und mindestens einmal an die Schießbude. Ich liebe ohnehin die Fahrgeschäfte! Wer gern unter Promis ist, der kommt um den Anstich in der Käfer Wiesnschänke oder im Hippodrom nicht herum. Ich gehe gern unter der Woche und schlendere ohne den weekend-Trubel über die Theresienwiese. Mein liebster Stand ist der Vogelbauer, ein alteingesessener Vogelpfeifenverkäufer. Mein Lieblingszelt? Das Bratwurstzelt, dass ist noch relativ neu und etwas kleiner, gemütlicher. In der ersten Wiesnwoche stehe ich meist noch bis spät im Atelier, ab der zweiten sind aber dann alle Kundinnen versorgt und ich kann mich auch vergnügen gehen.

HÖRTIPP:
Lernen Sie Designer, Fotografen, Künstler und Kreative in spannenden Podcast-Interviews kennen: Nahtlos! Das Lifestyle Podcast