Interview mit Wolfgang Joop, Teil 3: Krise & Kochen

Wolfgang Joop 3

Herr Joop, Sie haben kürzlich in gleich mehreren sehr interessanten Interviews sehr offen zu einem Begriff Stellung genommen, den eigentlich keiner mehr hören kann: Krise.

Sie ist nun mal da. Ich habe ohnehin das Gefühl, dass wir seit 20 Jahren auf einer längst zu ende gegangenen Party herumstehen und gleichzeitig schon den hangover spüren. Leider spricht so etwas nur ein ganz kleiner Kreis von Leuten auch aus.

Haben Sie denn ein Rezept gegen den Frust, der wohl jeden in einer Wirtschafts-Malaise gelegentlich überkommt?

Don’t shop, do it yourself! Ich bin gerade regelrecht berauscht von der Idee gewisse Dinge selber zu erschaffen, wie z.B. Möbel, denn ich hatte schon immer eine Begabung, mich mit leichter Hand eklektizistisch einzurichten. Daher habe ich jetzt einen Vertrag mit den Wiener Werkstätten abgeschlossen und werde für die Möbel entwerfen. Eine kleine Kollektion.

Haben Sie denn ein Lieblingsmöbelstück?

Ich bin ein Sessel- und Stühle-Fetischist! Ich habe ich ein ganzes Lager, in das alle Möbel, die ich bei Umzügen nicht mehr brauchte oder wollte, eingelagert wurden. Das hatte ich schon ganz vergessen. Nun stehen da glaube ich über Hundert verschiedene Stühle drin. Eines der besondersten Stücke, die ich je besaß war von Alexandre Noll, aus einem Nussbaumstamm geschnitzt. Für den habe ich mal viel Geld bezahlt, und bei einer Versteigerung haben ihn sich das ehemalige Topmodel Stephanie Seymour und ihr Mann für 600 000 Dollar gegönnt. Für die Wiener Werkstätten würde ich aber gern etwas entwerfen, was Klimt’isch den Jugendstil neu interpretiert. Organisch, lebend … Ein festes Thema habe ich auch schon, das verrate ich aber noch nicht.

Ihr Drang nach Selbermachen macht auch vor der Küche nicht halt.

Ich koche schon lange lieber in Windeseile selbst bevor ich mich bekochen lasse, mein erstes Kochbuch hieß deshalb auch „Hectic Cuisine”.

Das habe ich daheim – und liebe die Limonen-Spaghetti!

Sowie ich die Zeit finde, wird es auch ein zweites Buch geben, ich werde dauernd danach gefragt und habe mich vorsorglich auch schon mit einem Koch-Coach befreundet, einem bildhübschen jungen Mann aus Tirol.

Gibt es bei allem, womit Sie sich beschäftigen eine Königin Ihrer Interessen?

Nein, ich koche gern, liebe Einrichten, Modemachen sowieso – und den Bereich der ernsthaften Kunst, in dem ich mittlerweile gelandet bin. Wobei ich ja finde, dass eine Modekollektion viel ernsthafter und schwieriger ist. Das sieht man schon daran, dass es in jeder Großstadt akzeptable Künstler und zig Galerien gibt, aber kaum nur sehr wenig Boutiquen, in denen etwas wirklich Relevantes hängt. Suzy Menkes hat einmal gesagt, es gebe nur alle sieben Jahre eine modische Überraschung, einen spannenden Newcomer. Und diese Überraschung die schaffe ich mir mit Wunderkind eben selbst.

Nicht zu vergessen Ihren neuen Duft „Freigeist“.

Ein weiterer erfüllter Wunsch, ja, denn es gibt wohl keinen Modemacher, der nicht von einem Parfüm träumt, dem einen „Kleid“ am Körper, das immer sitzt.

In Teil 4 des Gespräches: Heimat & Melancholie Zeit

Foto(s): PR

Veröffentlicht von

Siems Luckwaldt

Siems Luckwaldt ist seit über 20 Jahren als Journalist und Redakteur tätig. Seine Themen: Interviews, Mode, Lifestyle, Uhren, Modernes Leben. Weitere Angebote: Corporate Publishing, Social Media Storytelling, Podcasts